Wednesday, August 02, 2006

4) Cochabamba oder: „Hier heulen alle nur rum!“

Cochabamba hat aufgrund der niedrigeren Höhe wesentlich mehr Vegetation, Palmen, Farne und grüne Berghänge (in LaPaz gibt es nur „nackte“ Berge) vermitteln Südseeflair. Es ist ziemlich warm, wir schwitzen in der Sonne und sehen eine Temperaturanzeige...11°Celcius. Hm, wer meint das trockene Kälte schlimmer ist als nasse Kälte (wie unser Chef) sollte mal herkommen. Die Bolivianer frieren und ziehen sich Jacke und teilweise Handschuhe an, wir vermuten, daß hier niemand einen echten deutschen Winter überleben würde...
Ein verlässlicher Local (unser Chef) sagt uns das in Cochabamba trotz der schönen Lage alle nur am rumheulen sind und sich beschweren, Paralellen zu deutschen westrussischen Gebieten sind aber völlig aus der Luft gegriffen und entbehren jeder Grundlage!
Die Arbeitsmoral wird uns an unserer Arbeitstelle deutlich: ein extrem teures europäisches, modernes Gerät das Brillengläser zurechtfräsen kann hat ein Sieb und muss täglich gereinigt werden. Das Sieb ist allerdings voll wie eine russische Panzerhaubitze, wochenlang nicht gereinigt. Jetzt muss man es „entleeren“, wir machen das zum Erstaunen der Bolivianer mit deutscher Sorgfalt und Gründlichkeit. Wir sind ja nicht zum Spass hier!
Den folgenden Tag werden wir nicht wirklich gebraucht, die spanische Maschine muss den spanisch-sprechenden Mitarbeitern auf spanisch erklärt werden, somit sind wir eher „ungeeignet“.
Wir erkunden daraufhin Cochabamba und begeben uns zu einer m hohen Jesusstatue auf einem Berg am Stadtrand. Da wir der Meinung sind harte deutsche Soldaten zu sein, nehmen wir tough-guy-like die Treppen antstatt der Seilbahn... bisher bescheuertste Idee die wir hier hatten. Pralle gnadenlose Sonne, hundert...tausend...ach was MILLIONEN Treppenstufen, und Kinder die den doofen hellhäutigen schadenfroh aus den Gondeln der Seilbahn zuwinken. Oben am Berg beschliessen wir asap das Innere der Statue zu erklimmen, hätten wir uns erstmal ausgeruht wäre es wohl schwer gewesen dafür Motivation zu finden. Aber dafür atemberaubende Aussicht auf Cochabamba. Runter sind die Treppen dann nicht mehr so wild, einem alten Mann (geschätzte 140 Jahre) mit Kind (Ururenkel?) auf dem Rücken, der gerade die treppen hochkommt, geben wir unsere halbe Wasserflasche. Vermutlich ist er uns immer noch dankbar.
Abends belohnen wir uns mit einem Discobesuch, Wodka-redbull für 2€, das Wodka-Glas ist randvoll mit Wodka, Redbull-Dose gibt es einzeln dazu. Die bolivianischen Mädchen scheinen helle Haut zu mögen, angesprochen wurden wir alle Nase lang, dummerweise können nicht alle englisch. Am nächsten morgen um 7Uhr bemerkt Basti, daß er eine volle Redbulldose mitgebracht hat, da hat er das letzte Glas Wodka-Redbull wohl ohne Redbull genossen... könnte die teilfragmentierte Erinnerung erklären. Hielt sich aber alles noch im Rahmen (Meldung an Disziplinarvorgesetzten zweckfrei).
Am dritten Tag Verabschiedung von den Mitarbeitern und die lange Strecke zurück nach LaPaz. Hier müssen wir nochmal richtig ran: Heiko kriegt den 60Kilo Kartoffelsack für den Chef und Basti muss Fotos machen (hrhr).

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