Tuesday, January 01, 2008

19) Kavallerie












Der Vater eines unserer Kumpelz ist Oberst in einer Kavallerieeinheit, und das quasi um die Ecke, in El Alto dem Elendsviertel. Nach ein wenig hin und her getelefoniere und den üblichen Terminverschiebungen sagte der Oberst, er könne uns die einheit nicht zeigen… aber wir könnten „einfach so“ mit seinem Sohn hinschauen.
Ah… einfach so… na ok, der oberst wird da ja zumindest bescheid gesagt haben das wir kommen… vermutlich.Sohnemann Josh war sogar pünktlich, und um 14 Uhr Ortszeit ging es los, auch wenn der Taxifahrer nicht wusste wohin („Egal… erstmal immer den Berg hoch…“), kamen wir schliesslich am Tor an.

Wir hatten eigentlich gedacht, Josh war mal in der Einheit und ist Reservist oder so, tatsächlich war er aber einfach nur Papas Sohn, macht aber nix, Söhne von Offizieren kommen aber auch ohne Vater rein, interessant.
Nach der üblichen Verwirrung kam dann ein Leutnant an, Teniente Camacho erweist sich dabei als recht harte Sau, Sniperkurs in den USA, Nahkampftrainer, „Satinador“ (= Kettensäge, bezeichnet so was ähnliches wie „Commando-Ausbilder“) und Einsatz in Afrika in UN-Rahmen.

Er hat uns dann ein wenig den Platz gezeigt, den Nahkampfplatz mit stimmigen Rindertotenschädel am Eingang (eigentlich war ausser dem Schild nur Sand da, wir konnten uns nicht vorstellen, dass das Training für Rekruten besonders „schpassich“ ist).










Die Hindernisbahn war offensichtlichlänger nicht benutzt worden (auch wenn Teniente Camacho Stein und Bein schwor, das die regelmässig genutzt wird), hatte aber ein paar interessante Sachen zu bieten, neben den Standarts wie Durchhangelstrecke und Eisenbahnschwelle zum balancieren,

eine „Überklappwand“ (rauf, mit dem Oberkörper rüberhängen, Stange greifen und mit Überschlag auf den Boden… eignet sich perfekt um sich beim ersten Versuch Fressbrett oder Genick zu brechen, wir haben daher auf einen Testlauf verzichtet).















Die Eskaladiermauer war tatsächlich eine Mauer, einfacher zum hochkommen als bei der Bundeswehr, dafür schmaucht dann aber auch ein Feuerchen direkt dahinter, auch wenn der Rekrut schon recht fertig gemacht wurde, das Feuer motiviert dann doch wieder zu einem motivierten Weitsprung.















Es stellte sich dann heraus, das so ziemlich hinter jedem zweiten Hindernis ein Feuerchen lodert… spätestens hier wär in der Bundesrepublik Schluss.

Aber es kommt noch besser, ein ungefähr vier bis fünf Meter hoher Turm von dem 3 Seilstege runtergingen. Gingen, „nach diversen Unfällen“ findet der Teil für Rekruten nicht mehr statt.
„Wieso Unfälle? Das Ende des Seilsteges ist doch nicht hoch?“ fragen wir.
„Ja ne, die sind runtergefallen.“
„Hä? Wurde der Sicherungsgurt falsch angezogen?“
„Es gab keine Sicherung…“Hm, wenn man so aus vier bis fünf Meter auf den Sandboden fällt (wohlgemerkt der „normale“ Sandboden, der ist ungefähr so hart wie Fels), da kann man sich durchaus einige Knochen brechen… wenn nicht alle.
Danach besichtigten wir die Ausstattung der Kavallerie, drei Generationen an Aufklärungsmitteln auf einen Blick, alte Radpanzer die irgendwie an die Zeit der Weimarer Republik erinnerten (mit viel Dosen- und Papiermüll drin, wohl auch seit Zeiten der Weimarer Republik nicht mehr benutzt), M113 (sehr rostig, nicht unbedingt das was man als „gepflegt, zweite Hand“ beschreiben würde), und in offensichtlichem Topzustand: Echte Pferde. Tatsächlich kann jeder bolivianische Kavallerieoffizier reiten… wozu auch immer das gut sein soll, aber sehr schneidig!

Dummerweise / glücklicherweise ergab sich keine Gelegenheit, die Gäule auszuprobieren… wir wussten ja nicht mal wo die Dinger das Zündschloss haben *hust*.
Können wir denn auch mal die Waffenkammer sehen? Sicher. Die Armee ist standardmässig mit dem FAL von FN ausgestattet (im Prinzip ein G3), Uzi-ähnliche Maschinenpistolen, Shotguns und RPG 7… sehr interessant den „Blackhawk-Downer“ mal live zu sehen.
Zudem sind noch Maschinengewehre in 7,62 (sehr ähnlich dem MG3) und „fiftys“ vorhanden (schweres MG in 0.50 Zoll, also 12,7mm).
Von besonderem Interesse waren neben dem FAL aber vor allem die M16`s.










































Können wir denn mal schiessen? Ja sicher, Munition und Waffen empfangen, (nach Anfrage) auch erklärt bekommen wie die Dinger so funktionieren (so ein paar Sachen sind eben doch anders, wir sind der Meinung, die kleinen „Spezialkniffe“ sollte man besser VOR dem Schiessen kennen).



Am zweiten unseres Zweitagesbesuches war ein Ausschiessen natürlich unvermeidlich, dummerweise wusste der Leutnant Camacho was vom Schiessen, die Sau war richtig gut!
(Eine Anfrage nach „Trefferpunktbestimmung“ hat er schlauerweise mit „Hehehe, dass ist doch eher was für Mädchen“ weggewischt, so waren unsere Trefferkreise zwar nicht grösser, aber nicht so mittig auf der Scheibe… nicht schlecht von ihm eingefädelt)

Das Schiessen auf 100 Meter mit 7,62 war bei uns beiden allerdings auch lange her, dass müssen wir an dieser Stelle einfach mal so sagen… -_- .
VIDEO

Gegen Ende unseres Besuches wurden dann noch deutsches Panzeraufklärerbarett mit bolivianischem Commandobarett getauscht (in Tarnfleck, hochinteressant).


Zum Schluss hat wurden Basti und Josh in die Privatwohnung mitten auf dem Kasernengelände von Leutnant Camacho eingeladen, auf ein Gläschen Cola und Fotoalbenschauen:
Besonders interessant die Commandoausbildung, man sieht Leutnant Camcho mit augeschlitztem Hund, mit blutverschmierter Uniform und grimmigem Grinsen (wie sich das gehört). Hochspektakulär: bei einer Vorführung der Ausbilder wird ein Sprengsatz auf einer ca. sieben Meter hohen Brücke gezündet, die Ausbilder springen dabei kurz bevor sie der Feuerball der Explosion erreicht von der brücke in den Fluss. Sieht zwar eher nach Hollywood denn nach militärischer Taktik aus, tut der Freude aber anscheinend keinen Abbruch. Das Highlight ist aber eine andere Übung: der Lehrgangsteilnehmer muss von einem Kubikmeter-Betonklotz zum nächsten springen, wird dabei mit MG beschossen… aber nicht „drüber“, sondern „dahinter“, und zwar nicht von einem mechanischen Vorrichtung oder so, sondern von einem ganz normalen Ausbilder (hoffentlich hat der keinen schlechten Tag).
„Gab`s da nicht schon mal Unfälle?“
„Doch doch, allein die 2 jahre die ich da war sieben bis acht, die langsamen kriegen halt mal einen ab…“
Hm, die grenze zwischen Schneid und Dummheit war halt schon immer fliessend O_O!!
















Die Bolivianer hätten gern, das wir einen Ausbildungsaustausch vermitteln, damit deutsche Offiziere auch mal die bolivianische Ausbildung machen können, beim Gespräch mit unserem Militärattachée einige Tage später stellte sich aber leider heraus, dass bei ungefähr 50% der Ausbildung der Deutsche nicht versichert wäre (und damit fällt`s aus). Eine Sache viel aber etwas aus dem Rahmen: das bolivianische Militär wird auch für Polizeimassnahmen im Inland eingesetzt, und wir vermuten häufiger. Denn die das mit Abstand modernste fahrzeug war ein Wasserwerfer (der „Triton“), mit mehreren von innen bedienbaren Werfern und Kamerarundumsicht, schickes Teil!

Kleiner Spass am Rande: basti fragt nach einem Einheitsabzeichen aus Stoff für sein Täschchen, und RRIIEEEETSCH hat prompt einer der Feldwebel einem einfachen Soldaten das Abzeichen vom Ärmel gerissen… konsequent und unverzüglich durchgeführt! Wahrscheinlich darf sich der gefreite nun einen Kopp machen, wo er ein neues Abzeichen herbekommt…

Sunday, November 11, 2007

18) Dschungel, zweiter Teil

Nach einer kurzen Nacht und einem Frühstück im Restaurant (Name vergessen, war aber gut) trafen wir uns bei den Tudelas und lernten unsere Mit-Touristen für den Trip in den Dschungel und die Pampas kennen: 3 Israelis und 5 Iren (davon 2 Doppel-X-Chromosomenträger) sowie 1 Kanadier.
Nachdem alle das Gepäck auf den Landrover geworfen und sich hinten in die Kabine gepfercht hatten (naja Heiko zumindest, Basti konnte sich den Beifahrerplatz sichern hehehe), ging es los Richtung Naturreservat. Bevor wir diesen erreichten gab es Mittag in einem Restaurant mit vielen Viechern: Hochis (diese dicken hässlichen Schweine), irgend so `ne Bambi-Verschnitte, die üblichen mageren Hunde, Hühnchen und ein Äffchen, munter zwischen den Tischen.
Das Essen war irgendeine... Suppe (lassen wir`s einfach bei dem Begriff -_- ) sowie Reis und Fleisch mit Salat.

Nach der Taufe des fettesten Schweins auf den Namen "Jupp" (sieht nur auf dem bild gefährlich aus, weil er gähnt die faule Sau), einer erfolglosen Jagd auf das Äffchen (der Schisser)

und einer ersten näheren Kontaktaufnahme mit unseren Mitreisenden ging es weiter in den Nationalpark... idyllischer erster Eindruck: eine staubige Piste, eine Schranke, und erstmal löhnen -.- .


Nach endloser Fahrt auf der Holperpiste, unterbrochen nur durch bolivianische Rindertreiber zu Pferde (für den Begriff "Cowboys" fehlten einfach Fluppen oder Kaugummis, aber die Jungs gaben ihr Bestes um cool zu sein...)

erreichten wir einen Fluss. Hier trafen wir auf unseren Guide "Negro", er unterrichtete Psychologie und Philosophie, sah aber eher wie ein typischer Dschungelbwohner aus.

Er war erstaunlicherweise schon über die Ankunft zweier deutscher Offiziere informiert, da kam das VIP-Feeling wieder hoch, war aber auch nicht wirklich schwer uns zu erkennen: Boony-Hat, Camelbak, Bundeswehrbotten und schneidiges Auftreten (so gut das in der Hitze ging) taten da ihr übriges.
Also alle Mann ins Boot, wir zuletzt, die anderen sicherten sich die Plätze ganz vorne... um dann zu erkennen das das Gepäck direkt hinter uns eine vorzügliche Lehne boten. Die war durchaus wichtig, denn nachdem es sehr interessant los ging, mit Krokogatoren



(wir konnten uns den Unterschied zwischen Krokodilen und Alligatoren nicht merken, also kurzerhand den "Krokogator" erschaffen), Vögelzeuchs, hässlichen behaarten Seerobben auf Beinen (ohne scheiss jetzt, die sehen echt so aus) und einem Batallion Schildkröten zog sich die Fahrt etwas in die Länge.

VIDEO

Wir konnten auf unserem Rucksacklager ganz gut knacken...

Nach kurzer Erholung in einer Dschungelbar direkt am Fluss (was die da mitten in der Butnik nach Feierabend machen? Das is` ja mal NICHTS...)

kamen wir nach 3 Stunden (oder 4? Egal, kam einem eh wie 10 vor) in unserem Camp an und begrüssten das Personal vor Ort.

... für Dschungelverhältnisse gar nicht schlecht, Dusche,

Toilette mit Schüssel zum draufsetzen (da hatten wir echt nicht mit gerechnet),

ein Küchenschuppen sowie

2 Schlafräume (einer für eine Gruppe, im Verlauf unseres Aufenthaltes kam ein zweites Touristenböötchen angeschippert) und ein Eßsaal. Dazu noch jede Menge Hängematten und eine Feuerstelle, recht idyllisch also.
Nach der Zuordung der Schlafstätten (Holzgestell, Matte, Moskitoschutz)
jetzt was an die Kauleiste heften und ins Bett... doch dann taucht Negro auf:
"Get ready Amigos, we`re going crocodile-hunting!"
Krokodiljagd? Genau das Richtige vorm zu Bett zu gehen... mit gemischten Gefühlen und einer Portion Abenteuerlust / Leichtsinn alle ab ins Boot sobald es dunkel wurde. Bewaffnet mit Taschenlampe, Fotoapparat, Kampfmesser und Sanitätsoberschenkeltasche bekamen wir unseren Auftrag: den Rand des Flusses ableuchten und auf 2 rote Punkte achten... Krokodilsaugen. mal ehrlich: zumindest das Finden unsere beschuppten Reptilienkumpels ist mal total einfach, alles dunkel, nur 2 rote Punkte im Wasser bzw. am Ufer, alte Atom-Uboote mit modernem Sonar aufspüren dürfte schwieriger sein.
Die "nicht ganz so leichte" Aufgabe des rausfischens der Krokogatoren haben wir dann doch aber Negro überlassen (der sich bei so einer Geschichte auch schon öfters blutige Arme abgeholt hat, am besten war mal eine italienische Gruppe: nachdem der Kroko ihm ein Stück aus dem Arm gebissen hat und er wie eine abgestochene Sau blutet, kommen die Italiener um ihm zu helfen... NACH diversen Fotos seiner Verletzungen, fürs Album daheim...).
Die kleinen kann man dabei mit der blossen hand aus dem Wasser greifen, richtig gefährlich kommen die Lütten aber noch nicht rüber.

Im Gegensatz die grösseren, da wird dann auch Negro etwas konzentrierter, man Suche einen mittelgrossen bis grossen ("fotoalbumtauglichen" eben) Krokogator der ein wenig am Ufer ablachst und sich nichts Böses denkt. Dann mit Boot direkt ran oder Kommando-mässig daneben anlanden, rausspringen und ihm eine Schlinge um die Schnauze werfen... dummerweise hatte unser Kroko kein Bock zu den dämlichen blassen Gringos im Boot zu hüpfen (er ist bestimmt schon in 1000 Urlaubsalben hehehe) und wollte sich im Busch verkriechen, nach erneutem Ansetzen Negro-seits hatte er aber keine Wahl.

Er wurde heut nacht ein Star und musste 10 Minuten Blitzlichtgewitter über sich ergehen lassen bevor er wieder in den Fluss durfte (hat ein wenig rumgezickt aber naja, es gibt schlimmeres).

Mitten in der Nacht sind wir dann zurück und in unsere Kojen gefallen, morgens sollten wir früh raus (um 9 oder so), und dann gehts auf Anaconda-Jagd in die Pampas.
Also am nächsten Morgen (Basti mit Ausschlag auf dem Rücken, scheiss Stoffmatte) mit Stöckern ausgerüstet, unten mit kleiner Y-Gabel, damit sollen wir die Anacondas auf den Boden drücken wenn wir sie in den Pampas am boden ausmachen.



...was sich als recht anstrengend herausstellte. Denn zum einen gibs in den Pampas kein Schatten, die Sonne ballert vom Himmel, es ist tropisch-heiss und man steckt permanent um die 20 bis 30 Zentimeter im Matsch, wer Glück hat auch mal bis zum Knie, und so stapft man dann (im wahrsten Sinne des Wortes) durch die Pampa... ganz schön schlauchig für Urlaub, aber wir sind ja nicht zum Spass hier...
Dabei hatten wir aber Schwein, schon nach 50 Minuten (das kann sonst 4 bis 6 Stunden dauern O_O) hat Negro eine Anaconda gefunden, einen richtigen viereinhalb Meter-Brocken auf den die Guides anderer Companys noch neidisch werden sollten, echtes Glück gehabt und wir konnten uns nach der üblichen Fotosession wieder ins Lager trollen. Bis auf die Irin, die panische Angst vor Schlangen hat, ging es allen recht gut.

Da wir Zeit gut gemacht haben erfüllt Negro den vorwiegend männlichen Antragstellern einen Wunsch: wir fahren los und kaufen BIER! :D
Bei unserem „Kiosk“ etwas flussabwärts, ein paar Holzhütten und eine Handvoll Einheimischer, decken wir uns dann mit allem ein, die Mädels gehen Pferdchen reiten und die Jungs spielen Fussball (Heiko, barfuss)

Nächster Auftrag: Piranhja-Fischen :D
Piranhjas sind nicht so ganz wie in den James-Bond-Filmen, sie zerfleischen nicht sofort jeden Mitteleuropäer, sobald er denkt in die Nähe eines Flusses wo eventuell Piranhjas sein könnten zu gehen… aber wenn man blutet sollte man mit ein paar kleinen Bissen rechnen.


Wie man die nun angelt: Fleischbrocken an den Haken, rein ins Wasser vom (stehenden) Boot aus und wenn’s zuppelt erst kommen lassen und dann den Choke ziehen: hart nach hinten reissen das der Haken sich im Fisch festbeisst (oder eben umgekehrt… egal). Basti hat nach kurzer Zeit Erfolg und freut sich einen Ast ab… bis Negro sagt, dass das bloss eine Sardine ist…

Aber dann haben Heiko als auch Basti doch noch Piranhjas rausgefischt, alle Fische wurden dann abends vertilgt (und wie unser Chef schon sagte, „Piranhjas schmecken scheisse…“… hat er recht).


Der Abend klang dann bei Lagerfeuer, einem singenden und Gitarrespielendem Negro und kiffenden Israelis aus (die hatten ihren Militärdienst in der Israeli Defense Force grad hinter sich, ist da echt kein Zuckerschlecken…).
Früh morgens weckt Negro dann alle, auch wenn kaum einer aufstehen mag um 8 Uhr in der früh, eigentlich sollten nun alle ins Boot, Affen beim Morgengebet anhören, ist aber auch gar nicht nötig: das, was wie ein dumpfes Rauschen klingt, sind die Affen die morgens wie die bekloppten den Urwald zubölken um ihr Revier zu markieren… irgendwie klingt das überhaupt nicht nach Affen und lässt sich mit Worten kaum Beschreiben. Der mix aus einem Riesen-Transformator und einem Dieselaggregat (hab ja gesagt, schwer zu beschreiben). Da der ganze Kontinent vom Kreischen / Brüllen / Orgeln der Affen erfüllt ist, brauchen wir kein Boot zu besteigen.
Am Nachmittag dann Ausrücken zur Stelle, wo uns der Landrover wieder abholen soll, doch bevor unsere dreieinhalb Tage Dschungel rum sind, die Abschlusskür, schwimmen mit Flussdelphinen (was es nicht alles gibt).

Eine Plastiktonne im Wasser, auf die Negro mit einem Stock klopft, lockt die neugierigen Nass-Säuger an, leider machen die nicht so Flippergeräusche und für Saltoschlagen hätten die wohl auch jemanden gebraucht, der sie trainiert, aber immerhin sind die Dinger echt.

Zum Abschluss dann Mittagessen beim Roverparkplatz, wir sammeln etwas Geld für Negro da er ein fantastischer und netter Guide war, er wills nich haben,

wir zwingen`s ihm kurzerhand auf und ein Israeli schmeisst ihn dann noch ins Wasser.

Er revanchiert sich und schleppt seine grosse Liebe, eine der Irinnen, auch noch ins Wasser, schöner Abschied, wenn wir noch mal nach Rurre zu den Tudelas (unseren Reiseveranstaltern) kommen, dann muss es wieder eine Tour mit Negro sein.
Der Rückweg mit den Landrovern ist gewohnt holprig,

alle sind etwas geschafft von den vergangenen Tagen, wir verbringen dann noch gemeinsam den Abend in der Moskitobar, tauschen E-mails aus und gehen dann schlafen. Nicht mehr im Hotel Berlin, wir wollen die letzte Nacht vor dem Flug mit warmem Wasser duschen und gehen in ein anderes, etwas gehobeneres Hotel, einzig Bastis Ausschlag macht ihm verbunden mit Virus ein wenig zu schaffen, aber zum richtig krank werden war irgendwie keine Zeit.
Am nächsten Morgen dann früh auf, zum „Flughafen“ (der Sandpiste mit dem kleinen Gebäude daneben) und zurück nach La Paz...

Friday, September 21, 2007

17) Rurren… Rurrenack… wie heisst das nochmal?


Nachdem uns Student Matze, den wir letztes Jahr in Bolivien getroffen haben (Gruss nach China an dieser Stelle), glaubhaft versichern konnte das Rurrenabaque (“Rurrenabake” oder auch nur “Rurre”) eine Reise wert ist, haben wir 2 Fluege gebucht und 5 Tage dort verbracht.

Rurrenabaque liegt mitten im Amazonasgebiet im Dschungel, ist mindestens genauso heiss wie Santa Cruz, nur mit weniger Asphalt und mehr Viechzeuchs. Durch unsere Arbeit hier kannten wir ein hohes Tier bei Amaszonico Airlines, da war schonmal Rabatt gesichert. Da wir aber auch die bolivianische Luftwaffe (TAM) besuchen wollten, und diese in auch Zivilisten fliegt, haben wir den Hinflug mit TAM gemacht, in Uniform. Schon am militaerischen Flughafen, wo uebrigens auch einige C-130 Hercules stehen, wurden wir dann von den ersten Leuten angesprochen, eine Familie aus Bayern, die Eltern wollen den Kindern das Land zeigen.

Chef hat uns gesagt “TAM? Schnell schnell alle rein in den Flieger, dass ist wie Bus fahren…”. Ganz unrecht hatte er nicht, wir uns die Sitznummer gemerkt, die war aber mehr pro-forma, da wo Platz ist hinsetzen (und wir Deppen sind als letzte rein -.-). Im Flieger selber schnell ins Gespraech gekommen mit der Besatzung, ob wir den mal ins Cockpit der alten niederlaendischen Fokker duerften?
Ja, das wird arrangiert. Gegen Ende des Fluges von einer guten Stunde wurden wir dann nach vorne gebeten: nettes Gespraech mit den Piloten ( Heiko kriegt noch schnell im vorbeigehen die Kamera vom bayrischen Familienvater in die Hand gedrueckt) und die Erkenntnis, “hier wird noch selbst geflogen”, Autopilot war der Copilot, immerhin gabs ein GPS, aber um die hohen Bergketten musste die Crew dann doch selbst einen Bogen fliegen. Dann weite Schleife Richtung Landebahn, welche sich schon in der Ferne erkennen laesst, die rote “Fasten seat belt”-Lampe leuchtet schon seit einer ganzen Weile, fragen wir uns wann wir wieder nach hinten zu den sitzen muessen. Hm, gar nicht, wir standen bis Ende der Landung hinter den Piloten und haben alles mitbekommen (die Flughoehe wird vom Copiloten selbst alle 2 Sekunden durchgesagt, echtes Handwerk). Die “Landebahn” ist uebrigens eine sandige Piste, Gepaeck holt man sich nicht am Gepaeckband, sondern direkt vom Gepaeckkarren runter… da kommt schon das erstemal “Hinterwaeldlerfeeling” auf.

Dann noch ein Gruppenbild gemacht, bisschen greschnackt und gefragt wie weit es bis in die Stadt ist. Wir haben einen Kontaktmann aus der Schweiz vor Ort, Joerg Steiger, der soll ein Hotel besitzen, zwar schon belegt, aber wir sollen erstmal bei ihm reinschneien. Wie weit ist es also?
“Weniger als ein Kilometer!”
Och, na das schaffen wir ja auch zu Fuss, wollen hier mit Tarnfleck nicht als Weicheier rueberkommen. Also Rucksack aufgebuckelt, Tasche geshcnappt und Richtung statt auf einer Schotterstrasse marschiert… und marschiert… und marschiert… langsam wird es dunkel, die Viecher kommen… und marschiert… mit Mueckenzeuch eingeschmiert… und marschiert, die ersten Auslaeufer der Stadt kommen, der Schweiss ist schon da, so langsam fragen wir uns wo den der Abzweig vom Hotel ist, den “da muss ja ein Schild oder sowas sein!”
…noe muss nich, wir fragen dann einen Taxifahrer, aha, wir sind dran vorbeigelatscht, ein Shcild gibt es wirklich nicht, und bis dahin wars schon mehr als 2 Kilometer… naja bis zur Innenstadt, wo wir waren nachdem wir ueber eine zerstoerte Bruecke geklettert sind, waren es dann mehr als 6… Sport fuer heute durch, mit dem ganzen Kram und der schwuelen Hitze, die einen schon im Sitzen platt macht, wollen wir nur noch ins Hotel, also Taxi besorgt… die sind hier aber zu 90% Moppeds -_-
Nach etwas Suche dann ein Taxi-aehnliches Auto gefunden (ein schrottiger Toyota, so wie fast alle Autos hier), ob er uns fahren kann?
“Jaja!”
“Ja moment Amigo, was solls kosten?”
“Umm… aeaeh… *gruebel / schauspieler* 35 Bolis!”
Wir kommen uns ein wenig wie Clowns vor, wir kennen hier die Preise nicht aber die liegen so zwischen 6 und 15 Bolis, dazu stehen wir mit Barett, in Tarnfleck, Rucksack mit Macheten, Kampfmesser und Sani-Tasche angeflanscht durchgesdchwitzt vor ihm…
“Aeh… sehen wir wie Touristen aus oder was?!?!”
(er kann ja nicht ahnen, dass wir im Prinzip genaus das hier sind…)
“…”
“Hoer zu Junge, wir wissen, dass der Preis scheisse ist, aber wir haben echt keinen Bock mehr zu laufen, also geb ich dir 30 fuer beide und gut, einverstanden?”
“Jaja, kein Problem!”
*leichtes gegenseitiges Angrinsen*
Die Fahrt geht dann eine Holperstrecke hoch, immerhin, dass waren 3 Euro wert hier nicht hochlaufen zu muessen, und beim Aussteigen dann noch mit “wir wissen beide, das Trinkgeld ist im Gringopreis schon mit drin, gelle?”
*breites Grinsen vom Fahrer nebst hoelficher Verabschiedung*
Joerg lebt schon seit laengerem in Bolivien, und hat sich ganz nett eingerichtet: sein neues Haus ist ein Turm, nebst zugehoeriger Seilbahn, die wir am naechstenTag auch ausprobiert haben, coole Sache!

Joerg vermittelt uns zudem auch einen Platz im “Hotel Berlin”, das erste Hotel was es in Rurre gab, gefuehrt vom Sohn eines deutschen Afrikakorps-Veteranen. Wir sind untergebracht (2 Euro die Nacht) zusammen mit Hans “reisender Hans” Weber, der uns netterweise im selben Raum im uebrigen Bett und einer extra rangeschafften Matraze pennen laesst. Hans kommt seit ueber 40 Jahren regelmaessig nach Bolivien, hat hier die ein oder andere Havarie erlebt (Schiff auf Grund gelaufen mitten im Dschungel, samt naechtlicher Notfallreparatur und dann 3 Wochen ohne Geld in einem Dschungeldorf rumgehockt bis er dachte “das war's dann wohl”). Nebenbei war er Lehrer in der alten deutschen Schule in La Paz, und hat unseren Chef unterrichtet (“Ach der Herr Weber! Den gibts noch?!”). Tja, die Welt ist ein Dorf, komischerweise merkt man das besonders hauefig hinten links in der Welt, in Bolivien… komisch…
Basti hat den Tag vor dem Abflug noch einen “Kumpel vom Kumpel” kennengelernt, den Tadi, dieser hat einen Kumpel in Rurrenabaque, den Pepe, und dieser hat eine Travel-agency fuer den Dschungel, und eventuell noch eine “Spezial-nicht-Tourist-Tour” anzubieten, und ausserdem: “When you’re with Pepe, he’s the biggest Gangsta in town, nobody will fuck with you in Rurre!” (damit sind gewaltbereite Maenner gemeint, nicht Frauen…).
Tatsechlich stellt sich Pepe er sehr netter Typ raus, de runs morgen einen 3 Tages-Trip in die Pampas organisieren kann, zum Kumpelpreis. Klingt schonmal gut, aber wir wollen noch in den “richtigen” Dschungel! Ja, da haette er was, heute abend wuerde es losgehen, so bis 1 uhr nachts, wir braeuchten dunkle Kleidung. Hae? Ja wenn wir wollen koenne wir mit ihm, seinem Dad und noch ein paar Jungz jagen gehen im Dschungel, Waffen haette er fuer uns. Na das klingt doch nach einer Action-tour, wir sind dabei, alles im Preis mit drin.
Vorher wollten haben wir uns 2 Quadratraxx ausgeliehen und sind zu Joerg hoch, Seilbahn fahren und eine Stunde abhaengen im “Butterfly-pool”, der Pool mit einer der schoensten Aussichten die man wohl haben kann.



VIDEO



Auf der Rueckfahrt verliert Basti noch seinen Dschungelhut (der Anfaenger), und sucht dann wie bloed auf dem Boden rum.
“Was suchst du?”
“Na mein Boony-hat!”
“…der ist doch hinten auf deiner Machete.”
“-_-“ (der Trottel)



Nachts geht es dann los, Tarnfleckzeuch im Rucksack, mit Pepes 4wheeler in den Dschungel, wir wollen an einem Fluss jagen der wenig Wasser fuehrt, die Tiere kommen dahin zum Trinken.

Die Fahrt an sich war aber schon abenteuerlich, mehrmals durch den sich durch den Urwald schlaengelnden Fluss durch (mit 2 Rad Antrieb, der Wagen war neu, keener wusste so richtig wie das geht mit dem Schaltknueppel… aha…) ueber Aeste und Schlagloecher tief wie der Marianengraben, zwischendurch kam dann noch ein Lkw entgegen, also erstmal 300 Meter im Rueckwaertsgang bis der Brocken durchkam.

Dann am “Basislager” bei Daemmerung angekommen, ein paar Holzfaeller und ausgeloeffelte Schildkroetenpanzer begruesst und dann Einweisung fuer die Jagd.
“Braucht ihr grosse Messer? Insbesondere die Jaguare sind gefaehrlich!”
“Oh, aha, gut zu wissen… aber wir haben alles dabei… Jaguare *murmel*”
Unsere Schiesspruegel:
Eine .22er Flinte mit Laserpointer und eine automatische Shotgun, etwas sehr unterschiedlich, aber nicht schlecht. Heiko also die Shotgun, Basti die “Laserkanone”.
(hier wieder ein Bild aus der "Fieldspook"-Serie...)
Jagen geht dann wie folgt: man stapft durch den Wald am Fluss entlang, hoert man was oder sieht man was, Licht aus, in Anschlag gehen, dann das Wild direct anleuchten, das verharrt dann 3 Sekunden im Leuchtkegel. Dann MIT DER LAMPE in der anderen Hand durchladen und draufhalten… klingt nicht so einfach, isses auch nicht (also mal ehrlich, wir haetten ja laengst mal 2 maglights an die Knarren getaped, aber die Jungz hier schaffen das anscheinend auch ohne). Heiko mit Pepe voraus, Basti als 2tes Team in einigen Minuten Abstand mit Daddy Tico Tudela hinterher.

(Tico Tudela ist eine kleine Beruehmtheit, er hat den Israeli Jhossi Ginsberg getroffen, welcher mit einem Flugzeug im Dschungel abgestuerzt ist und sich mit einem Englaender und einem Franzosen durchschlagen wollte bis zur naechsten Ortschaft, er hat es als einziger geschafft und Tico getroffen. Nachzulesen in “Back from Tuichi”).

Als es dann in nahezu kompletter Dunkelheit losgeht die Erkenntis: wir gehen nicht am halbtrockenen Fluss lang, sondern die naechsten 5 Stunden direct DARIN. Na ok, den eben nasse Fuesse, ist ja warm (Tico und Pepe haben Gummistiefel an, wir die Bundeswehrbotten, ab Mitte Schienbein sind die spaetestens nicht mehr wasserdicht, bis zum Knie auf keinen Fall -.- )
Ploetzlich sieht Pepe ein Tier und eroeffnet das Feuer! Voll in den Baum geraucht, Heiko rechnet damit dass das Wild abhaut… aber das dumme Ding bleibt wie angewurzelt stehen!
*Uff… aeh… raff-raff- denk…BALLERN!*
Heiko legt an, kruemmt den Abzug… und in dem Moment hopst das Ding doch noch davon… hnrg!
Dummerweise haben die 2 Schuesse alles Getierkram anscheinend etwas aufmerksamer gemacht, Basti und Tico hoeren zwar eine Menge Jaguargeschrei in der Naehe und eine Menge spuren, eine Schussgelegenheit hat sich aber trotz “intensiver Suche und Befragung der Kameraden” nicht ergeben, so ist das eben wenn man was “echtes” macht, bei den Touristentouren kann es durchaus mal sein, wenn man keine Anaconda aufspuert, dass dann schnell mal eine aus dem Kaefig geholt wird (“Ups Gringos, hier ist doch noch eine schaut mal!”), Hans hat das wohl schon oefters mal erlebt (so ein alter Haudegen laesst sich halt nichts vormachen ;] ).

Dennoch, so eine Jagd in einem Flussbett im Dschungel, mit dem ganzen naechtlichen lauten im Wald und vorbeihuschenden Silouhetten, das hat schon was, danke an Familie Tudela an dieser Stelle!
Mit der fuer bolivianischen Verhältnisse ueblichen Verspaetung dann um halb 4 nachts bei Hans ins Zimmer gepoltert, draussen vor der Tuer den Schlamm ein wenig entfernt und festgestellt, das die BW-Stiefel die naechsten 2 Tage nicht zugebrauchen sind -.-
…und um 7 wieder aufstehen, zur Pampatour, nach 3 Stunden Schlaf, aber wir sind ja nicht zum Spass hier…

[to be continued]