Thursday, August 03, 2006

5) Dschungel / Die gefährlichste Strasse der Welt

Wir verdauen noch die Eindrücke von der Dienstreise nach Cochabamba, da kommt der Chef mit dem nächsten Auftrag: Begleitung der Familie nach Coroico in ein Hotel mitten im Hochdschungel. Tja, 5 Sterne-Hotel, Pool, Trips in den Dschungel, die äußerst nette Familie vom Chef... da müssen wir wohl durch. Die Strecke zum Hotel sind 120km, 80 davon fahren die Männer (wir und der Chef) auf der alten Strasse direkt an den Berghängen des Dschungelsmassivs, genannt „Deathroad“. Hier gibt es 800 Tote pro Jahr. Die Frauen nehmen mit den Kindern die neue Strecke, noch eine Baustelle und nur mit Sondergenehmigung zu befahren, für europäische Verhältnisse abenteuerlich genug aber im Gegensatz zur alten Strecke ein echter Fortschritt. Die von Kriegsgefangenen Deathroad ist ein (schlechterer) Feldweg und breit genug für ein breites Fahrzeug, wird mit Geländewagen, normalen Autos (keine Ahnung wie die auf der staubigen Buckelsteinpiste vorankommen) aber auch Reisebussen und Trucks befahren... in beide Richtungen! Zwischendurch gibt es kleine Haltebuchten, Leute auf der Strecke haben rote und grüne Schilder um anzuzeigen ob man durch die nächste Kurve fahren kann oder ob was entgegenkommt (was man trotz allem besser mit Hupen ankündigt, einsehbar sind die Kurve bergwärts nämlich nicht). Vorfahrt hat immer der, der den Berg hochkommt, die Bergabfahrer müssen immer links fahren,da sie von der Fahrertür aus eher sehen können wie Nahe sie dem Abgrund sind. 5cm vom Reifen bis zum 1200m tiefen Abhang sind keine Seltenheit, fehlender Schnickschnack wie Leitplanken oder Kenntnis der Tragfähigkeit der Strassenkante (gleichzeitig Bergkante) erhöhen stark das Adventure-feeling. Selber dürfen wir nur auf dem „nicht ganz so lebensgefährlichen Teil“ etwas weiter unten fahren, ist aber auch besser so. Man merkt schnell das wagemutige Touristen ohne Führer nicht wissen wie die Locals fahren und schnell den Verkehr stören, was hier Stillstand und Rückwärtsgang heisst. Unterwegs sehen wir einen abgestürzten Bus, dürfte niemand überlebt haben. Man kann hier übrigens mit dem Fahrrad die Strecke bergab runterfahren. Wir sehen eine Menge schlamm- und staubbedeckter Touristen. Wer von Nordsee-Urlaub gelangweilt ist kann hier wirklich mal „was anderes“ machen was er so schnell nicht vergessen wird... Angekommen im Hotel erkennen wir das die 5 Sterne wohl nur bolivianische Sterne sind, aber nach den ganzen runtergekommenen Dörfern, Staub, Dreck, schrottreifen Fahrzeugen und wilder Natur ist ein Hotel mitten im Dschungel ein kleiner Kulturschock. Wir beziehen Zimmer und gammeln den Rest des Tages mit der Familie rum. Die folgenden Tage nutzen wir die Angebote für verschiedene Trips in den Dschungel, wir besuchen unteranderem einen Wasserfall, machen einen kleinen Marsch durch ein kleines Flussbett und sehen diverse Hängebrücken (immer nur einer auf einmal und garantiert kein deutscher Sicherheitsstandard). Den Bolivianern ist wieder kalt, wir freuen uns über das schöne Wetter und sehen Bananen, Kaffeepflanzen, Bambus... und Moskitostiche an Armen und Beinen, trotz Bundeswehr-anti-Insektenöl. Sollte man wirklich gewissenhaft und dick wie eine Türdichtung auftragen, Moskitos sind zwar nur so gross wie Gewitterfliegen und stechen nicht, aber sie beissen dafür dreimal so grosse Löcher wie ihr Körper gross ist. Gut das wir das Malariamittel dabeihaben, bisher brauchten wir es Gottseidank nicht. Aber wir sind ja auch nicht zum Spass hier...

Das Dorf Coroico ist sehr idyllisch mitten am Dschungel-Berghang gelegen und auf Touristen ausgerichtet. Neben einem Mad-Max-gepimpten Wohnmobil (der "Overlander"), auf einer Karte am Fahrzeug sieht man die bisherige Route, nahezu jeder Kontinent vertreten, später nochmal in LaPaz gesehen) gibt es eine Pizzeria Italia und das Restaurant Backstube. Der deutsche Inhaber sieht sehr nach "Aussteiger" aus und fragt was wir machen. Es fällt "Bundeswehr", der Chef will im selben Moment ein Foto machen... und der Typ ist plötzlich verschwunden und eine andere Bedienung kommt. Merkwürdiger Kauz. Also falls ein abgehalfteter Typ vor ca. 40 Jahren mal Fahnenflucht begangen hat, kann ja einer vom BMVg mal in der Backstube nachschauen.

Nach 3 Tagen im ungewöhnlichsten Hotel das wir bisher kennengelernt haben fahren wir zurück, auf der neuen Strecke. Bergauf auf der Deathroad hat man es leichter, daß kann ja jeder *hüstel*.

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