Thursday, August 31, 2006

8) Wehrpflichtfraß in Santa Cruz


Nun sind wir also in Santa Cruz. Die Stadt ist eigentlich recht schön, viele Pflanzen und im Gegensatz zu La Paz gibt es keine Steigungen, dafür ist es furchtbar schwül-heiss. Wir ölen schon morgens aus dem letzten Loch, 2 mal duschen am Tag wird zur Regel.
Mit dem Chef und Richard, dem Mitarbeiter von Improsur (unsere Firma) in Santa Cruz, klappern wir von Montag bis Freitag eine Menge Augenärzte und Optiken ab um medizinisches Gerät zu vekaufen, jedesmal sind die Gespräche nach bolivianischem Schema: viel um den heissen Brei labern, aber keiner will ihn so richtig essen. So wird eine Menge Zeit verballert, wir gehen zwischendurch mal ein (Risiko-Salmonellen-)Softeis essen. Ist ja schliesslich warm hier und die komischen Deutschen halten es kaum aus bei der Hitze.
Kleiner Einschub: wir besuchen den Alten im Krankenhaus, eine Operation am Kopf wurde bei seinem momentanen Zustand als zu gefährlich angesehen, dennoch wird operiert. Der hiesige Arzt möchte das Geld haben, was er für die OP berechnen kann. Chef ist nicht glücklich darüber, sagt aber erstmal nichts (der Arzt entscheided ob und wann der Alte aus dem Krankenhaus kommt).
Am Mittwoch kommen wir zu einem interessanten Kunden: der Escola Militaria de Aviacion, die Pilotenschmiede der bolivianischen Luftwaffe. Obwohl theoretisch seid Monaten angemeldet, weiss natürlich kein Schwein bescheid, die Wache schaut etwas verduzt (wir sind schneidigst in Uniform), aber Ausweise wollen sie trotzdem nicht so richtig sehen. Naja soll ja nicht unser Problem sein.
Die Schule hier will ein Gerät kaufen, um nicht mehr flugfähige Piloten ausmustern zu können.Der für uns herangeholte englischsprechende Capitan (Hauptmann) kann nach einem Flugzeugcrash in 2 Richtungen gleichzeitig schauen und macht einen leicht behinderten Eindruck, deswegen sagen wir ihm lieber nichts davon. Man bittet uns am nächsten Tag wiederzukommen, dann könne man uns hier ein wenig rumführen.

Gesagt getan: am nächsten morgen stehen wir wieder vor der Luftwaffenschule in Uniform (natürlich überpünktlich, man hat ja einen Ruf zu verteidigen), vorher schlendern wir noch durch einen Markt und werden gleich von einer Dame angesprochen. Wir geben ihr zu verstehen das wir im spanisch sprechen ziemliche Bratwürste sind, daß hält sie aber nicht davon ab uns zu fragen ob wir verheiratet sind. Und die Handynummer hätte sie auch gern. "Ääähh, ja... ääääh... perdone no, seguridad militaria und so..." *schwitz*. Der Verweis auf militärische Sicherheit wirkt, wir können zur Schule gehen.
Dort hat wieder keiner an der Wache `ne Ahnung, wir sagen bestimmt, daß wir eine Einladung vom Coronel (Oberst) hätten und wir sind quasi sowieso jeden Tag hier usw. Sicheres Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit funktioniert auch im bolivianischen Militär, wir werden sogar zum Coronel vom Wachmajor eskortiert.
Unserer schielender Capitan kommt hinzu ("Aah, hällooo freeends from Germanie!") und führt uns zum Leiter der Pilotenausbildung. Der Coronel macht hier als einer der ersten einen schneidigen Eindruck und sieht doch tatsächlich nach erfahrenem Soldat aus! Bei den Flugzeugen handelt es sich auch um "erfahrene Veteranen", brasilianische T-33 mit Bordkanonen und ungelenkten 76mm Raketen, gelenkte Raketen fehlen völlig. Erinnert stark an die Me-262. Hinzu kommt, daß der Close-Air-Support sowieso nur im flachen Teil von Bolivien geht, um La Paz zum Beispiel ist die Luft zu dünn.

Die Hubschrauber sind von den USA geschenkte Bell UH-1D (Hueys), für Zivilisten: mehr als 30 Jahre alte Hubschrauber aus dem Vietnamkrieg, bei der Bundeswehr (die auch den Huey hat) fliegen schon die ersten Nachfolger (NH 90). Hier allerdings wird es wohl auch die nächsten 100 Jahre (grobe Schätzung) kein Nachfolgemodell geben.
Wir werden aber sehr gut rumgeführt und man bemüht sich, uns die Pilotenausbildung zu erklären, wir bedanken uns beim Coronel und sehen dann noch etwas: zivile junge Menschen. Auf die Frage wer das ist, kommt als Antwort vom Capitan, daß heute neue Wehrpflichtige in die Kaserne kommen. Das wollen wir uns natürlich ansehen!
Pünktlich zur Essensausgabe kommen wir auf den Antreteplatz, der Capitan platzt mitten ins Antreten (als Offizier ist man hier so ein kleiner König) und kündigt uns an. Wir bitten darum, daß wir mal das Essen kosten dürfen. Der Chef hat da so Schauergeschichten erzählt, wenn man nicht essen will kriegt man den Kram in den eigenen Helm, und dann muss man erst recht essen.
--> Menschenführung `33

Das Essen für Offiziere und Kadetten ist übrigens von anderer Qualität, wir dürfen hier zwar alle Flugzeuge, Pilotentafeln und sonstige Einrichtungen fotografieren... aber nicht die Wehrpflichtigenküche. Aha.

Das "Fleisch" ist... keine Ahnung, Hund? Garniert mit irgendeiner wässrigen Brühe und `nem Schuss Sand (zumindest knirscht es beim Kauen/Reissen). Das zähe Fallschirmjägerfleisch mit dem Löffel zu zerteilen ist fast ein Ding der Unmöglichkeit (der Teller kann durchaus eher nachgeben), als wir nach kurzem Antesten dankend die Teller abgeben wollen gibt uns der Capitan zu verstehen, daß wir alles essen müssen, sonst ist die Köchin enttäuscht. Scheisse wir sind wirklich nicht zum Spass hier...
Wir sehen dann noch einen Soldaten mit einem Trekkerreifen um die Schultern um ein Fußballfeld marschieren, der macht das circa 2 Stunden, als Strafe (wohl Vorgesetzten nicht gegrüsst oder so). Eigentlich die beste Methode dem Wehrpflichtigenfrass zu entgehen (für das Foto hat Heiko kurz den Capitan abgelenkt, Basti kann dann unauffällig knipsen).
Wir verabschieden uns dann und können noch heimlich ein kleines Dummfickvideo drehen, die älteren Kadetten haben hier die Befehlsgewalt über die Jüngeren, kein Geschenk hier (die sind hier auch nicht zum Spass).
Abends stürzen wir uns dann ins Nachtleben um dem Gerücht der geilsten Frauen in Bolivien nachzugehen. Allerdings tragen die Frauen hier wegen der Hitze nur knappere Sachen, unbedingt hübscher sind sie nicht (pädagogisch ausgedrückt: die Frauen in Santa Cruz sind nicht signifikant geiler als die in La Paz).
Der Chef schaut übrigens nochmal nach dem Alten im Krankenhaus, da wir in Uniform sind sollen wir besser nicht mit, nicht das die Familie uns fürAnti-Drogen-Special-Agents hält (kein Scheiss).
Am Freitag dann die Nachricht: der Alte ist fit (naja... er stirbt halt nicht) und wird Freitag entlassen!
Chef: "Wenn wir Glück haben, dann haben wir heute abend das Auto wieder!"
Wir verabschieden uns von Richard, packen unseren Krempel und besorgen uns ein "Express"-Taxi, der Fahrer ist ein "Ich bin 2 Öltanks"-Modell, Basti muss hinter ihm sitzen, es ist gerade so Platz zum Atmen da. Der Fahrer packt aber auf einmal unsere Rucksäcke und Chefes Tasche auf die Rücksitzbank, wir bemerken, daß wir so eingepfercht nicht die nächsten 300km nach Villa Tunari verbringen wollen und verweisen auf den Kofferraum. Dürfte ja nix drin sein! Ist aber doch, nahezu der komplette Kofferraum ist mit einer Bass-Box ausgefüllt!
Wir geben ihm unmissverständlich zu verstehen, daß er das Teil entweder im Hotel bunkert oder auf der Strasse abstellen kann, wie er sich entscheidet ist uns egal aber das Monstrum fliegt raus. Mit etwas mehr Platz auf der Rücksitzbank starten wir dann gegen Nachmittag gen Drogengebiet um ENDLICH die Unterschrift der Familie und das Auto zurückzukriegen...
Das das alles nicht so einfach wird wussten wir ja noch nicht.

1 Comments:

At 4:49 PM, Anonymous Anonymous said...

Freut mich das "der ältere Herr" noch ein paar jährchen Leben darf. Der Esel hatte da ja weniger Glück :P
--> bruder1vonbasti gewinnt gegen tommykumpelvonbasti

 

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