Saturday, September 08, 2007

16) "Schützenfest" in Quime


Quime (= Kieme) ist ein kleines Bergdorf gaaanz hinten links in Bolivien… nicht der Arsch der Welt, aber man kann ihn von dort aus ganz gut sehen. Dort wurde Basti eingeladen zur Feier des 25. Juli (St. Irgendwas), das ganze roch von Beginn an sehr nach einer “non-tourist”-Veranstaltung: Auf der Hinfahrt mit 3 Jungs vom Schiessclub stellte sich heraus: wir haben zwar GPS und 2 Zettel mit Koordinaaten, aber ZWEI VERSCHIEDENE fuer DENSELBEN Ort?!? Also ganz altmodisch miliaterische Karte, die wir im militaergeographischen Amt gekauft hatten, rausgeholt (obwohl “gekauft” zeifelhaft ist, zum einen ist das keine bolivianische Karte wenn da “Joint Operations” draufsteht, zum anderen wollte der nervoes-schwitzende Herr die Karten auch nur in einem Hauseingang verkaufen… einfach nicht genau nachfragen hat sich da bewaehrt) und Ergebnis: eine Koordinate ausserhalb der Karte, die andere irgendwo in der Butnik… kein Ort, keine Strasse, kein nueschts… naja irgendwas is ja immer.
Doch dann erstaunlich einfach: Ein Wegweiser an einem Checkpoint, und dann immer der Strasse nach, ein Gebirgspass der bis auf 5000 Meter hoch geht und dann als staubige Schotterpiste in Quime endet. Zwischendurch noch einen Platten, der nach viel Gewurschtel mit falschem Wagenheber, fehlender Verlaengerung, zu reparierendem Kompressor und ausgeliehener Schaufel eines Indianers erfolgreich mit einem abschliessendem Victory-Bier gewechselt wurde. Dann endlich in Ricardos Residenz (der, der uns eingeladen hatte) angekommen… schoene Huette Ricardo, nicht schlecht!

Als erstes wurden die Regeln erklaert: angebotenes Trinken NIE ablehnen, Frauen nicht nach dem Alter fragen (“Alles ueber 40 Kilo ist hier OK”), und wer nach 6 (!!!) Tagen feiern noch steht, der kann am 7. (!!!!!) Tag noch mit den Koechen und Bedienungen trinken…


“Aeh wie lange wollten wir nochmal bleiben?”


“4 Tage…”


“Oha…”


Eingeladen zu diesem Fest, sind alle Bewohner aus Quime oder die, die hier geboren wurden sowie eine Menge Musikkapellen, so dass das Publikum erstaunlich international war: eine Menge Firmenbosse aus La Paz, Ingenieure aus den USA, Leute die in London studiert haben, lustige Begegnung am Rande:


“Ah deutscher Militaer! Mein Sohn ist bei den Marines in Frankfurt am Main!”


“Oh da wohnt mein Vater!”


*claphands*


“Ich war mal in Hamburg.”


“Hey da ist meine Universitaet!”


*claphands*


“Aber meine 2te Stadt ist San Francisco.”


“He da war ich auch schonmal!”


*claphands*


“Naja ich hab noch 2 Freunde in Tschechien, aber das kennst du nicht, die sind in Pilszen.”


“Pilszen? Da war ich Fallschirmspringen!”


“Heeeee!!!”


*claphands*


…die Welt ist ein Dorf.


Der Beginn der Feier laesst sich nicht so einfach bestimmen und am besten als “fliessend” beschreiben, eine Kapelle faengt aus Langeweile einfach mal an (waehrend die Busse mit den Gaesten noch anrollen), irgendwann faengt dann eine weitere an, dann hoert die erste auf um zwischendurch was zu trinken oder um letztes Feintuning mit Klebeband zu machen, bis irgendwann alle mal Krach machen (nicht abgestimmt im Abstand von ca. 10 Metern… rustikal eben).


Die Tanzgruppen mit Kostuemen (und die Helme sind mal SCHWER!)


fangen auch nach Gusto an und hoeren die naechsten 6 Stunden auch nicht mehr auf, zwischendurch via Strohhalm mit Bier oder Schlimmerem versorgt… das is' mal nix fuer Anfaenger! (vor allem nicht fuer die arme Sau im Ganz-Fell-Kostuem)

Basti hat sich wegen des Trinkens nicht so Sorgen gemacht, man kennt ja die alten Patreouillenfuehrertricks: nie ein Glas austrinken, immer nur kleine Schlueckchen, denn kriegt man auch nichts nachgeschenkt… denkste, die warten direkt vor einem stehend, dass man auch ja alles wegzischt, ein Entkommen oder Flucht gibt es nicht, "es ist nicht nicht moeglich nicht besoffen zu sein" in Quime. Getrunken wird Bier und Chicha (= Tschitscha), und zwar aus Eimern. Die Geruechte halten sich hartnaeckig, das der Indianermaisschnaps Chicha mit Urin gestreckt wird… wer’s einmal probiert hat kann das zumindest nicht mehr zu 100% dementieren, die Ploerre floesst man seinem aergsten Feind nicht ein…


Gleich am ersten Tag hats dann den einzigen Gringo weit und breit (Basti) erwischt: lokales Fernsehen bittet zum Interview:


“Koennen Sie spanisch?”


“Nein”


“OK das reicht uns”


*Basti wird vor die Kamera gezerrt*


“Was machen Sie in Quime?” (bloede Fragen, Pflichtsaufen wie alle anderen auch, aber das kann man im Fernsehen ja nicht einfach sagen)


*schon mit ersten Chicha-Erscheinungen und crap-spanisch*


“Oehjaaa ich aeeehhh schau mir die Fiesta an und aeh jaaaa…”


“Wie heissen Sie?”


“Bastian”


*Verstaendnisloses Schweigen* (“Bastian” und “Heiko” sind die vermutlichst die am schwersten auszusprechenden Woerter fuer Bolivianer, gleich nach “Prost”)


“Das ist deutsch”


“Oohhh deutsch wie schoen, und wie gefaellt es Ihnen hier?”


“Aeh ja, ist total schoen hier und… (es folgt eine Auflistung aller bekannten netten spanischen Woerter) …nicht?”


“Vielen Dank fuer das Interview!”


… na hoffentlich wird DAS nie gesendet…


Schon gleich am ersten Tag gab es beim bolivianischen Teil der Fahrgemeinschaft dann vorausgeahnte Nebenerscheinungen wie Orientierungsschwierigkeiten, Rueckwaertsessen, Verlust der Muttersprache und Kontrollmangel eines ueberwiegenden Teiles der koerpereigenen Muskeln,

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am dritten (oder vierten? So genau weiss das keiner…) Tag war dann auch Basti soweit, dass die Erinnerung nur truebe und langsam ans Tageslicht dringen wollte, aber es gab ja auch schliesslich was zu feiern, den ersten Platz beim Tanzen fuer unsere Tanzgruppe mit Ricardo, die “Diablos”!

Und das “erfolgreiche Abwehren” eines Trittes eines Besoffenen: 2 Herren voll wie Panzerhaubitzen im Streit, mit alkoholverstaerkten Gerechtigkeitssinn geht Basti ruhig dazwischen “Juuungs, das haben wir doch nicht noetig, ruhig bleiben, alles so schoen hier…”, der eine siehts ein, der andere sieht nur den Arm von der Seite kommen und Tritt zu… genau mittig in den Glockenturm -.- , 100 Punkte *dingdingding*...


Nachdem der Wille ihn umzubringen nach 5 Sekunden bekaempft war, wurde sich dann bei einem Bier (oder 2? Oder einem Eimerchen Chicha? So genau weiss das eh keiner mehr…) wieder (mit dem bestimmten Hinweis das es keinen zweiten Versuch geben wird) versoehnt, und war ja alles ein Versehen, und blabla… immerhin gabs es am naechsten Tag fuer den aufopferungsvollen Einsatz ein Lob (“Die Amis haetten sofort mit Schlaegerei angefangen! Aber die Deutschen sind soooo cool und nett, einfach klasse! *Schulterklopf*). Nunja, so hatte die Sache ja noch was gutes… auch wenns ewig dauert bis so eine Schwellung wieder weggeht -_-


(aber Hauptsache nicht umgefallen, im weiteren Verlauf wollte dann auch keiner mehr Streit vom Zaun brechen).


Basti ist dann ganze 5 Tage da geblieben (am eigentlichen Fahrtag waren alle so fertig, dass die Abfahrt um einen Tag verschoben wurde), wer meint das so ein Schuetzenfest in Deutschland hart waere… “Kinderteller”, der solle mal nach Quime kommen und sich an Chicha “laben”. Am letzten Tag wir dann eine 200 Kilo schwere Statue rumgeschleppt um sich von seinen Suenden reinzuwaschen (und wie gesagt, Quime liegt direkt am Berg, das geht also entweder steil bergab oder steil bergauf, kein Geschenk)


Alles in allem war Quime ein Erlebnis was man so schnell nicht vergessen wird, sehr schoen, eindrucksvoll und… hart. Feiern als Gringo "untern Indianern" ist keine leichte Sache, “irgendwer laedt einen immer ein”, wenn man dann noch die Frage der Herkunft beantwortet hat man als Deutscher gleich noch ein Glaeschen / Eimerchen in der Hand… “seco” (= auf ex) natuerlich… -_-

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2 Comments:

At 2:50 PM, Anonymous Anonymous said...

Schöne Party, die ihr da erlebt hat...Neidvoll grüßt aus dem Land von Alka Selzer und Aspirin Bastis Dad!

 
At 3:29 AM, Anonymous Anonymous said...

Folgende Teesorten eignen sich zur Bekämpfung möglicher Nebenwirkungen einer übermäßigen Alkoholzufuhr

Marienendistel-
Weidenrinden-
& Pfefferminztee

;)

Fab

 

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