9) Papierkrieg
Wir befinden uns auf dem Weg zurück nach Villa Tunari in der Hoffnung, am Freitag vor Dienstschluss der Polizei den Wagen wiederzukriegen.
Ich-bin-2-Öltanks entpuppt sich allerdings als reine Stadt-Schranze, wir haben das Gefühl, daß er nie ausserhalb von Santa Cruz gefahren ist. Noch langsamer und er muss den Rückwärtsgang einwerfen, dauernd überholen uns nachts Laster (wohl gemerkt, bolivianische, bis zu 1000 Jahre alte Volvos und dergleichen).
Wir schaffen es so natürlich nicht, die Polizei hat schon dicht. Vielleicht können wir ja morgen wen auftreiben, wir suchen uns also ein Hotel (wir präparieren die Schränke mit Klopapiermarkierungen und fotografieren unsere Sachen, wenn einer einem hier Drogen reinschmuggelt kann man das dann besser beweisen) und stürzen uns ins dörfliche "Nachtleben", eine Disco mit 6 Leuten drin (ok mit Bedienung 7). Nach 2 Bier lassen wir es dann mit "feiern" gut sein und gehen zurück zum Hotel, Chef ist vorher schon ins Bett und hat gesagt, daß wir beim Pförtner klingeln sollen. Tun wir auch, 3 mal, dann ist es uns zu blöd. Kein Schwein lässt sich blicken, also über die Mauer gehüpft und ab ins Bett.
Am nächsten Tag ist der Hotelbesitzer sauer, wär doch keine Art über die Mauer zu klettern! Ist aber auch keine Art die Klingel zu überhören, also muss er da wohl jetzt durch.
Wir checken aus und begeben uns zur Polizeiwache, dummerweise haben die dicht bis Montag, dann ist auch erst der Richter da. Der Richter muss nach Einwilligung der Familie des alten Trottels erstmal ein Schriftstück aufsetzen, dann muss man wieder zurück zur Polizei und dann kann man mal schauen ob vom Auto noch was da ist. Da wir hier also nun bis Montag festsitzen und hier auch absolut mal GAR NICHTS ist ausser Coca-Plantagen und Dschungel, steigen wir in den Bus zurück nach Santa Cruz. Der Chef bleibt vor Ort in Villa Tunari.

Die Busse fahren von Cochabamba aus, wir steigen also nach gut ein Drittel der Strecke Cochabamba-Santa Cruz dazu, zahlen 3 Euro für die restlichen 300km...und merken, daß der Bus voll ist. Wir packen uns also in den Gang, 6 Stunden stehen ist nicht so verlockend, und ruhen erstmal. Am Drogen-Checkpoint wieder das Mädel vom letztenmal, sie erkennt uns sogar und wir brauchen keine Ausweise vorzeigen. Während der Bus mit deustchen Schäferwuffis durchsucht wird, fragt Basti ob er ein Foto machen darf, das Mädel quiekt entzückt (übersetzt): "Waas? Von mmmiiiiiiiiiieeeeeerr?!?!?!" Sie hopst zu ihrem Boss, schmeisst ihm die Kampfmittelweste in die Hand und schmeisst sich in Pose. Frau bleibt eben Frau hrhr.


In Santa Cruz checken wir beim selben Hotel wie vorher ein (pro Nacht 10$) und erkunden noch einmal die Stadt. Nach einer lustigen Nacht fahren wir Sonntag abend zurück, der Bus müsste mitten in der Nacht um ca. 1 Uhr ankommen. Wir rufen den Chef an, der sagt auch wenn man nur 4 Stunden in einem Hotel übernachten will, wollen die die vollen 15$ haben. Das ist uns vom Prinzip her zu teuer, in der Stadt 10$ und irgendwo in der Butnik in einer Kaschemme 15$? Da wir in Villa Tunari schon Stunden auf den Bänken vor der Notaufnahme verbracht haben sind diese uns irgendwie vertraut. Da es nachts im Dschungel eh schweinewarm ist können wir uns genausogut dahin packen, der Chef warnt das Krankenhaus vor, wir sollen nachts den Pförtner rausklingeln.
Basti: "Wo is`n da die Klingel?"
Chef: "Keine Ahnung, aber das dürfte ja nicht so schwer sein die zu finden."
Basti: "Naja sehen wir denn..."
Chef: "Aber nicht wieder übern Zaun springen!"
Also wieder in den Bus (diesmal mit Sitzplatz), Nachts um 2 Uhr angekommen, gehen wir zum Krankenhaus, vor den verschlossenen Toren warten am Montag morgen schon ca. 30 Einheimische um morgen eine OP zu ergattern. Wir suchen die Klingel... und suchen... und suchen... und suchen... und geben auf. Die haben nämlich draussen keine Klingel, dolle Wurst. Wir sehen die ganzen Einheimischen und schmieden Plan B: "Was die können, können wir auch.", wir nächtigen also auf dem Beton neben dem Zaun, etwas abseits vom Pulk. Und was passiert nachts um halb 4? Drei lustige Arschlöcher setzen sich am ganzen langen Zaun GENAU neben Basti und fangen lautstark an zu labern. Ein "silencioso porfavore" hält genau 30 Sekunden, dann labern die Typen weiter. "Jetzt habt ihr`s geschafft ihr beschissenen Arschlöcher!" lässt Basti verlauten (auf deutsch) und trollt sich leicht angefressen mit Rucksack Klamotten und Machete 30 Meter weiter. Immerhin hat er dann Ruhe.

Morgens um 7 Uhr stehen wir auf und waschen uns in bester Feldmanier, wir sind allerdings die einzigen die Morgenhygiene durchführen und werden erstaunt angesehen (So ein Elektrorasier schindet unheimlichen Eindruck). Dann zum Chef, mit ihm ab zum Richter, Karre holen und weg!
Doch beim Gericht im nächsten Ort stellt sich heraus: der Richter ist irgendwo im Dschungel bei Cochabamba und kommt erst morgen wieder, einen Stellvertreter im Amt gibt es nicht...
Na Klasse, lohnt hier bald ein Haus zu kaufen.
Diesmal will der Chef nicht wieder nach Villa Tunari ("Nein von dem Ort habe ich die Schnauze voll, wir erregen da zuviel aufsehen."), wir bleiben also im Ort des Gerichts und checken in einem anderen "Hotel" ein. 1$85 pro Person, mit wilder Eidechse im Zimmer und Dauer-Fußbad in der Dusche. Wir nutzen die Zeit bis zum nächsten Morgen um unseren Macheten den endgültigen Schliff geben zu lassen (bei `nem Fahrradmechaniker) und gehen in den Dschungel. Der Chef zeigt uns wie man sich mit Machete durch den Dschungel kämpft, somit wieder was gelernt und der Tag war zumindest nicht völlig sinnlos. Hierbei entsteht auch das Franky versprochene Dschungel-Fieldspook-Foto. Bitte Franky extra für dich! *Taataaaa!*



Im Hotel wurden wir erst für Amerikaner gehalten, bei der Angabe unseres Heimatlandes hellt sich die Miene des Hotelbesitzers aber merklich auf: "Oh Alemania!". Die Ankunft der Deutschen spricht sich anscheinend schnell im Örtchen rum, dem Chef wird gesagt er solle uns hier mal alles zeigen, und toll das mal Deutsche da seien usw., wären wir US-Amerikaner sähe das allerdings ganz anders aus, dann hätte man uns eventuell sogar verprügelt. Also gut, daß auch wir Deustchland sind.
Die Familie des Alten hat übrigens eine Ahnung und meint zum Chef, daß wir ja Militärs seien, der lässt das ganze relativ unbestätigt ohne komplett zu verneinen. Man ist hier der Meinung, daß Deutschland Kuba hilft wenn Kuba die USA angreift (!), daher hält man uns wohl nicht mehr für potentielle getarnte Anti-Drogen-Soldaten (selbst in der Flugschule in Santa Cruz hat unser Capitan von der NATO noch nie was gehört). Ist aber auch wurscht die Familie hat endlich unterschrieben!
Am nächsten Tag (mittlerweile Dienstag) gehen wir morgens zum Richter, der hat allerdings nach eigener Aussage keine Zeit und sagt, daß er das Schriftstück noch fertig macht, wir sollen am Nachmittag wiederkommen.
Also bisschen Zeit vertrödelt, im Krankenhaus in Villa Tunari werden zwischenzeitlich 5 Verletzte eingeliefert (hat einer angefahren, der weiss noch gar nicht was auf ihn zukommt hrhr), ausserdem müssen wir Fotos mit den Schwestern machen (mittlerweile kennt man uns ja). Und dann am Nachmittag haben wir endlich das Schriftstück vom Richter in den Händen ("Ich brauchte ihn gar nicht bestechen!")
und ab geht`s zur Polizeistation. Dort wird nochmal mit einer Schreibmaschine aus dem 12. Jahrhundert vom Polizeiseargent alles abgetippt, der bringt das Ganze dann zum Polizeimajor. Dieser ist neu, somit unsicher und das Ganze dauert verdächtigt lange. Banges warten.

Frage an den Chef: " Wieso gibt es hier so einen Papierkrieg, obwohl der Fahrer sowieso immer schuld ist?"
--> "Nicht vergessen, wir sind in Bolivien..."
Dann unterschreibt der Major doch noch, wir schleppen unseren Krempel zur Strasse und warten, daß der Chef mit dem Auto kommt. Und Tatsächlich, ENDLICH rollt das Auto auf eigener Achse zu uns zurück, anscheinend unversehrt, wir kriegen das Grinsen nicht aus der Fresse, nun wird doch noch alles gut!
Auf der Fahrt nach Cochabamba gibt es eine Baustelle, hier muss man in der Rotphase warten bis Baustellenfahrzeuge und Gegenverkehr durch sind. Und zwar so ca. 3 Stunden.
Der Alte war erst stinkig auf den Chef, aber durch die Krankenhausbehandlung seiner Tuberkulose und seiner Lunge lebt er nach dem Unfall wohl jetzt 2 Jahre länger, insofern war es das Beste dem Chef vor den Mitsubishi zu laufen (klingt komisch - is` aber so). Hat er am Ende wohl doch eingesehen und seine Familie beauftragt für uns Orangen und Bananen im Dschungel zu pflücken. Wir nutzen die Wartezeit um die Säcke und die Bananenkiste nach Drogen zu durchsuchen, aber anscheinend war der Alte wirklich nicht mehr sauer, wir finden nichts. Man hält uns dafür nun für venezuelanische Soldaten ("Haben die Menschen in Venezuela denn nicht auch braune Haut? Oder sind die einfach nur blöd?" - fragen wir uns)
Als wir am späten Nachittag an der Baustelle Grün kriegen und los können (ungefähr so wie ein Formel 1 Start) planen wir, im Wechsel nach La Paz zu fahren. Doch zu früh gefreut, man hält uns kurze Zeit später wieder an, der Gegenverkehr ist noch gar nicht komplett durch. Die nun entgegenkommende Lasterschlange fängt plötzlich an zu stocken: eine offensichtlich verärgerte Menschentraube befindet sich beim Polizeihäuschen bei der Durchlassstelle und versperrt plötzlich den Weg!
Was war passiert? Ein Fahrer war über eine frische Betonplatte auf der Baustelle gefahren, die Platte ist zerstört und wie das in Bolivien so ist: geht was schief, erstmal Auto beschlagnahmen. Pikantes Detail: es handelt sich um einen Bus, randvoll mit Fahrgästen die nun nicht weiterkommen! Also steigen alle getreu der Manier "Wenn wir nicht weiterkommen, kommt hier niemand weiter!" aus dem Bus und "besetzen" den Durchlass. Die Stimmung steigt, den 4 Polizisten wird schon Prügel angedroht (nur eine Frage der Zeit bis es dann dazu kommt), da hat unser Chef die rettende Idee und sagt zum Polizisten: "Du hast doch noch den 2ten Busfahrer! Lass den doch hier, der Bus mit den Leuten (und somit alle) können durch und du hast Ruhe!"
Der 2te Busfahrer kriegt Augen wie Untertassen, schaut etwas blöde drein aber sein Protest geht in der jubelnden Menge unter. Chefes "Beratung" wird tatsächlich von den Politisten umgesetzt, der Gegenverkehr kann durch und wir können weiter nach Cochabamba, mit feixenden Bemerkungen vom Chef über die Deppen von der Polizei ("Wenn der nicht blöd wäre, wäre er sowieso nicht an dieser Baustelle harhar!").
Es ist zwar zu spät um direkt nach La Paz zu fahren und wir übernachten in Cochabamba, daß ist aber nach allem Vorherigen nicht mehr so wild.
Nach 4 Krankenhäusern, unzähligen Besuchen der Versicherungen in Santa Cruz, jeder Menge Krankenhaus-Wartestunden, Hotelaufenthalten, Macheteschleifen, erfolglosen Behördengängen, Pennen im Busgang, Pennen vorm Krankenhaus und einer Baustellenrevolution, wurde die auf maximal 5 Tage geplante Arbeitsreise auf 10 Tage ausgedehnt und glücklich am Mittwoch in La Paz beendet. Der Chef bescheinigt uns nun genaue Kenntnis des bolivianischen "Rechtssystems", er hat uns im Vorfeld eine Reise voller Erfahrungen versprochen, nun, er hat Wort gehalten (sogar für sich selbst).
Basti hat seine Wäsche im Hotelwaschbecken in Cochabamba gereinigt, für ihn geht es gleich am Mittwoch Abend (nicht der aktuelle, komme mit dem Schreiben bloss kaum nach) weiter zu den Salzseen in Uyuni und zu den Bergwerken in Potosi. Heiko schaut die nächsten 5 Tage, ob in La Paz noch alles beim Alten ist.
Ich-bin-2-Öltanks entpuppt sich allerdings als reine Stadt-Schranze, wir haben das Gefühl, daß er nie ausserhalb von Santa Cruz gefahren ist. Noch langsamer und er muss den Rückwärtsgang einwerfen, dauernd überholen uns nachts Laster (wohl gemerkt, bolivianische, bis zu 1000 Jahre alte Volvos und dergleichen).
Wir schaffen es so natürlich nicht, die Polizei hat schon dicht. Vielleicht können wir ja morgen wen auftreiben, wir suchen uns also ein Hotel (wir präparieren die Schränke mit Klopapiermarkierungen und fotografieren unsere Sachen, wenn einer einem hier Drogen reinschmuggelt kann man das dann besser beweisen) und stürzen uns ins dörfliche "Nachtleben", eine Disco mit 6 Leuten drin (ok mit Bedienung 7). Nach 2 Bier lassen wir es dann mit "feiern" gut sein und gehen zurück zum Hotel, Chef ist vorher schon ins Bett und hat gesagt, daß wir beim Pförtner klingeln sollen. Tun wir auch, 3 mal, dann ist es uns zu blöd. Kein Schwein lässt sich blicken, also über die Mauer gehüpft und ab ins Bett.
Am nächsten Tag ist der Hotelbesitzer sauer, wär doch keine Art über die Mauer zu klettern! Ist aber auch keine Art die Klingel zu überhören, also muss er da wohl jetzt durch.
Wir checken aus und begeben uns zur Polizeiwache, dummerweise haben die dicht bis Montag, dann ist auch erst der Richter da. Der Richter muss nach Einwilligung der Familie des alten Trottels erstmal ein Schriftstück aufsetzen, dann muss man wieder zurück zur Polizei und dann kann man mal schauen ob vom Auto noch was da ist. Da wir hier also nun bis Montag festsitzen und hier auch absolut mal GAR NICHTS ist ausser Coca-Plantagen und Dschungel, steigen wir in den Bus zurück nach Santa Cruz. Der Chef bleibt vor Ort in Villa Tunari.

Die Busse fahren von Cochabamba aus, wir steigen also nach gut ein Drittel der Strecke Cochabamba-Santa Cruz dazu, zahlen 3 Euro für die restlichen 300km...und merken, daß der Bus voll ist. Wir packen uns also in den Gang, 6 Stunden stehen ist nicht so verlockend, und ruhen erstmal. Am Drogen-Checkpoint wieder das Mädel vom letztenmal, sie erkennt uns sogar und wir brauchen keine Ausweise vorzeigen. Während der Bus mit deustchen Schäferwuffis durchsucht wird, fragt Basti ob er ein Foto machen darf, das Mädel quiekt entzückt (übersetzt): "Waas? Von mmmiiiiiiiiiieeeeeerr?!?!?!" Sie hopst zu ihrem Boss, schmeisst ihm die Kampfmittelweste in die Hand und schmeisst sich in Pose. Frau bleibt eben Frau hrhr.


In Santa Cruz checken wir beim selben Hotel wie vorher ein (pro Nacht 10$) und erkunden noch einmal die Stadt. Nach einer lustigen Nacht fahren wir Sonntag abend zurück, der Bus müsste mitten in der Nacht um ca. 1 Uhr ankommen. Wir rufen den Chef an, der sagt auch wenn man nur 4 Stunden in einem Hotel übernachten will, wollen die die vollen 15$ haben. Das ist uns vom Prinzip her zu teuer, in der Stadt 10$ und irgendwo in der Butnik in einer Kaschemme 15$? Da wir in Villa Tunari schon Stunden auf den Bänken vor der Notaufnahme verbracht haben sind diese uns irgendwie vertraut. Da es nachts im Dschungel eh schweinewarm ist können wir uns genausogut dahin packen, der Chef warnt das Krankenhaus vor, wir sollen nachts den Pförtner rausklingeln.
Basti: "Wo is`n da die Klingel?"
Chef: "Keine Ahnung, aber das dürfte ja nicht so schwer sein die zu finden."
Basti: "Naja sehen wir denn..."
Chef: "Aber nicht wieder übern Zaun springen!"
Also wieder in den Bus (diesmal mit Sitzplatz), Nachts um 2 Uhr angekommen, gehen wir zum Krankenhaus, vor den verschlossenen Toren warten am Montag morgen schon ca. 30 Einheimische um morgen eine OP zu ergattern. Wir suchen die Klingel... und suchen... und suchen... und suchen... und geben auf. Die haben nämlich draussen keine Klingel, dolle Wurst. Wir sehen die ganzen Einheimischen und schmieden Plan B: "Was die können, können wir auch.", wir nächtigen also auf dem Beton neben dem Zaun, etwas abseits vom Pulk. Und was passiert nachts um halb 4? Drei lustige Arschlöcher setzen sich am ganzen langen Zaun GENAU neben Basti und fangen lautstark an zu labern. Ein "silencioso porfavore" hält genau 30 Sekunden, dann labern die Typen weiter. "Jetzt habt ihr`s geschafft ihr beschissenen Arschlöcher!" lässt Basti verlauten (auf deutsch) und trollt sich leicht angefressen mit Rucksack Klamotten und Machete 30 Meter weiter. Immerhin hat er dann Ruhe.

Morgens um 7 Uhr stehen wir auf und waschen uns in bester Feldmanier, wir sind allerdings die einzigen die Morgenhygiene durchführen und werden erstaunt angesehen (So ein Elektrorasier schindet unheimlichen Eindruck). Dann zum Chef, mit ihm ab zum Richter, Karre holen und weg!
Doch beim Gericht im nächsten Ort stellt sich heraus: der Richter ist irgendwo im Dschungel bei Cochabamba und kommt erst morgen wieder, einen Stellvertreter im Amt gibt es nicht...
Na Klasse, lohnt hier bald ein Haus zu kaufen.
Diesmal will der Chef nicht wieder nach Villa Tunari ("Nein von dem Ort habe ich die Schnauze voll, wir erregen da zuviel aufsehen."), wir bleiben also im Ort des Gerichts und checken in einem anderen "Hotel" ein. 1$85 pro Person, mit wilder Eidechse im Zimmer und Dauer-Fußbad in der Dusche. Wir nutzen die Zeit bis zum nächsten Morgen um unseren Macheten den endgültigen Schliff geben zu lassen (bei `nem Fahrradmechaniker) und gehen in den Dschungel. Der Chef zeigt uns wie man sich mit Machete durch den Dschungel kämpft, somit wieder was gelernt und der Tag war zumindest nicht völlig sinnlos. Hierbei entsteht auch das Franky versprochene Dschungel-Fieldspook-Foto. Bitte Franky extra für dich! *Taataaaa!*



Im Hotel wurden wir erst für Amerikaner gehalten, bei der Angabe unseres Heimatlandes hellt sich die Miene des Hotelbesitzers aber merklich auf: "Oh Alemania!". Die Ankunft der Deutschen spricht sich anscheinend schnell im Örtchen rum, dem Chef wird gesagt er solle uns hier mal alles zeigen, und toll das mal Deutsche da seien usw., wären wir US-Amerikaner sähe das allerdings ganz anders aus, dann hätte man uns eventuell sogar verprügelt. Also gut, daß auch wir Deustchland sind.
Die Familie des Alten hat übrigens eine Ahnung und meint zum Chef, daß wir ja Militärs seien, der lässt das ganze relativ unbestätigt ohne komplett zu verneinen. Man ist hier der Meinung, daß Deutschland Kuba hilft wenn Kuba die USA angreift (!), daher hält man uns wohl nicht mehr für potentielle getarnte Anti-Drogen-Soldaten (selbst in der Flugschule in Santa Cruz hat unser Capitan von der NATO noch nie was gehört). Ist aber auch wurscht die Familie hat endlich unterschrieben!
Am nächsten Tag (mittlerweile Dienstag) gehen wir morgens zum Richter, der hat allerdings nach eigener Aussage keine Zeit und sagt, daß er das Schriftstück noch fertig macht, wir sollen am Nachmittag wiederkommen.
Also bisschen Zeit vertrödelt, im Krankenhaus in Villa Tunari werden zwischenzeitlich 5 Verletzte eingeliefert (hat einer angefahren, der weiss noch gar nicht was auf ihn zukommt hrhr), ausserdem müssen wir Fotos mit den Schwestern machen (mittlerweile kennt man uns ja). Und dann am Nachmittag haben wir endlich das Schriftstück vom Richter in den Händen ("Ich brauchte ihn gar nicht bestechen!")
und ab geht`s zur Polizeistation. Dort wird nochmal mit einer Schreibmaschine aus dem 12. Jahrhundert vom Polizeiseargent alles abgetippt, der bringt das Ganze dann zum Polizeimajor. Dieser ist neu, somit unsicher und das Ganze dauert verdächtigt lange. Banges warten.

Frage an den Chef: " Wieso gibt es hier so einen Papierkrieg, obwohl der Fahrer sowieso immer schuld ist?"
--> "Nicht vergessen, wir sind in Bolivien..."
Dann unterschreibt der Major doch noch, wir schleppen unseren Krempel zur Strasse und warten, daß der Chef mit dem Auto kommt. Und Tatsächlich, ENDLICH rollt das Auto auf eigener Achse zu uns zurück, anscheinend unversehrt, wir kriegen das Grinsen nicht aus der Fresse, nun wird doch noch alles gut!
Auf der Fahrt nach Cochabamba gibt es eine Baustelle, hier muss man in der Rotphase warten bis Baustellenfahrzeuge und Gegenverkehr durch sind. Und zwar so ca. 3 Stunden.
Der Alte war erst stinkig auf den Chef, aber durch die Krankenhausbehandlung seiner Tuberkulose und seiner Lunge lebt er nach dem Unfall wohl jetzt 2 Jahre länger, insofern war es das Beste dem Chef vor den Mitsubishi zu laufen (klingt komisch - is` aber so). Hat er am Ende wohl doch eingesehen und seine Familie beauftragt für uns Orangen und Bananen im Dschungel zu pflücken. Wir nutzen die Wartezeit um die Säcke und die Bananenkiste nach Drogen zu durchsuchen, aber anscheinend war der Alte wirklich nicht mehr sauer, wir finden nichts. Man hält uns dafür nun für venezuelanische Soldaten ("Haben die Menschen in Venezuela denn nicht auch braune Haut? Oder sind die einfach nur blöd?" - fragen wir uns)
Als wir am späten Nachittag an der Baustelle Grün kriegen und los können (ungefähr so wie ein Formel 1 Start) planen wir, im Wechsel nach La Paz zu fahren. Doch zu früh gefreut, man hält uns kurze Zeit später wieder an, der Gegenverkehr ist noch gar nicht komplett durch. Die nun entgegenkommende Lasterschlange fängt plötzlich an zu stocken: eine offensichtlich verärgerte Menschentraube befindet sich beim Polizeihäuschen bei der Durchlassstelle und versperrt plötzlich den Weg!
Was war passiert? Ein Fahrer war über eine frische Betonplatte auf der Baustelle gefahren, die Platte ist zerstört und wie das in Bolivien so ist: geht was schief, erstmal Auto beschlagnahmen. Pikantes Detail: es handelt sich um einen Bus, randvoll mit Fahrgästen die nun nicht weiterkommen! Also steigen alle getreu der Manier "Wenn wir nicht weiterkommen, kommt hier niemand weiter!" aus dem Bus und "besetzen" den Durchlass. Die Stimmung steigt, den 4 Polizisten wird schon Prügel angedroht (nur eine Frage der Zeit bis es dann dazu kommt), da hat unser Chef die rettende Idee und sagt zum Polizisten: "Du hast doch noch den 2ten Busfahrer! Lass den doch hier, der Bus mit den Leuten (und somit alle) können durch und du hast Ruhe!"
Der 2te Busfahrer kriegt Augen wie Untertassen, schaut etwas blöde drein aber sein Protest geht in der jubelnden Menge unter. Chefes "Beratung" wird tatsächlich von den Politisten umgesetzt, der Gegenverkehr kann durch und wir können weiter nach Cochabamba, mit feixenden Bemerkungen vom Chef über die Deppen von der Polizei ("Wenn der nicht blöd wäre, wäre er sowieso nicht an dieser Baustelle harhar!").
Es ist zwar zu spät um direkt nach La Paz zu fahren und wir übernachten in Cochabamba, daß ist aber nach allem Vorherigen nicht mehr so wild.
Nach 4 Krankenhäusern, unzähligen Besuchen der Versicherungen in Santa Cruz, jeder Menge Krankenhaus-Wartestunden, Hotelaufenthalten, Macheteschleifen, erfolglosen Behördengängen, Pennen im Busgang, Pennen vorm Krankenhaus und einer Baustellenrevolution, wurde die auf maximal 5 Tage geplante Arbeitsreise auf 10 Tage ausgedehnt und glücklich am Mittwoch in La Paz beendet. Der Chef bescheinigt uns nun genaue Kenntnis des bolivianischen "Rechtssystems", er hat uns im Vorfeld eine Reise voller Erfahrungen versprochen, nun, er hat Wort gehalten (sogar für sich selbst).
Basti hat seine Wäsche im Hotelwaschbecken in Cochabamba gereinigt, für ihn geht es gleich am Mittwoch Abend (nicht der aktuelle, komme mit dem Schreiben bloss kaum nach) weiter zu den Salzseen in Uyuni und zu den Bergwerken in Potosi. Heiko schaut die nächsten 5 Tage, ob in La Paz noch alles beim Alten ist.


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