Thursday, September 07, 2006

12) Trufi-Trafico!

(dieser Blog ist allgemein, nicht chronologisch)
Der Verkehr in Bolivien ist so bekloppt, daß ist uns einen eigenen Beitrag wert.
Die erste Woche erscheint einem jede Teilnahme am Strassenverkehr als glatter Selbstmord, wo 3 Autos fahren können, da fahren auch 3, auch wenn nur eine Spur da ist. Nahezu jedes Fahrzeug hier hat Schrammen und/oder Beulen, einen TÜV hats hier zwar, so richtig ernst genommen wird der aber nicht (zumindest ist das nichts, was man mit 20 Bolis Schmiergeld nicht hinkriegen würde...).

Man muss ausserdem IMMER mit irgendwelchen besoffenen (oder schlichtweg blöden, siehe dem alten Knacker) Fußgängern rechnen. Und nicht vergessen: egal wie blöd der Fußgänger ist, der Autofahrer ist schuld. Dafür darf hier eigentlich jeder, ob geschäftlich oder zivil, Warnblinker anmachen und überall halten, gibt zwar ein paar hupende Ungeduldige hinter einem, die hupen aber auch mitten im Vollchaosstau wenn jeder Hirni sieht, daß es erstmal nicht weitergeht.
Ampeln sind bestenfalls eine Fahrempfehlung (ausser eine Bulle steht direkt daneben), so ist auch besser vor jeder Kreuzung, auch wenn man Vorfahrt hat, vorsichtshalber ein Warn-Hüpchen zu geben. Wer dachte, daß die in Italien und Tschechien scheisse fahren, sollte mal hierherkommen.
Wir werden wohl weinen wenn wir zurückkommen nach Deutschland (vorraussichtlich am 18.09. um 22Uhr30), Sprit kostet hier 3 Boli 73 (= 37,3 Eurocents!!!). Wem das noch zu teuer ist, der fährt Gas, daß ist hier noch spottbilliger, normale Autos werden hier auf Gas umgerüstet.
Auch von Benzin auf Diesel wird günstig mit wenigen Handgriffen umgerüstet, die Karren räuchern dann wie Fabrikschlote. Das lässt auch Platz für sonstige Umbauten, fahren ohne Haube zum Beispiel, ein Paradies für Autbastler.

Generell gibt es in der Stadt 4 Möglichkeiten voranzukommen:

1) Den Bus

Der Bus ist extrem langsam, er hält immer dann wenn jemand an der Strasse den Arm raushält (wie eigentlich alles hier), ist öfters sehr voll und kostet nur einen Boli (= 10 Euro-Cent). Die Busse sind meistens alte Dodge-Schulbusse mit schickem Sound, kann aber auch mal ein umgebauter LKW sein, die Umbauten sind sehr kreativ und teilweise gut gelungen.
Einen Busfahrplan haben wir übrigens noch nie gesehen, es dauert halt so lange wie es dauert. Die Busse haben übrigens eine Höhe im Innenraum von ca. 1 Meter 60, Basti kann breitbeinig gerade aufrecht stehen, Heiko hat abgeloost und muss ohne Sitzplatz den Glöckner von La Paz machen.


2) Das Taxi
Zu Stoßzeiten sind ungefähr 50% der Fahrzeuge Taxis und Trufis (unterscheiden sich eigentlich nur durch das Fahrtstreckenschild in der Scheibe), ein Taxi zu finden ist meistens nicht schwer, eher nervt es, denn Taxis hupen potentielle Kunden am Fahrbahnrand gnadenlos an. Wenn man dann auf ein Trufi wartet kann das nach dem 30ten Mal schon nerven.
In der Regel kostet ein Taxi in LaPaz nie mehr als 15 Bolis, dafür bezahlt man aber manchmal pro Person, also immer erst fragen, dann erst einsteigen. Entgegen der Warnungen versucht uns eigentlich keiner zu verarschen (von dem Penner in Sucre mal abgesehen...). Lustig sind Taxen immer: viele aus Hongkong, also Rechtslenker... auf links umgebaut, und zwar nur das nötigste: Lenksäule und Anzeige für Erdgas.

Das wars, Tacho und Drehzahlmesser (oder sonst irgendwas) funktioniert eigentlich fast nie. In einem Rechts/Linkslenker übrigens sehr lustig, wenn man die Anzeigen vor sich hat, aber kein Lenker. Im Schacht für die Lenksäule steckt dann häufig so ein behämmerter rosa Spielzeug-Troll mit langen neongrünen Haaren.

3) Das Auto-Trufi

In der Regel ein Toyota oder Nissan, normaler PKW, kostet 3 Bolis pro Person und hat ein Schild mit der Fahrstrecke vorne rechts im Fenster. Bis zu 5 Erwachsene plus Fahrer zwängen sich in ein Trufi, hinten meist 3 (geht aber zur Not auch zu viert), vorne ist die Armablage gepolstert und zwischen den Vordersitzen eine kleine Rückenlehe, man sitz vorne also auch zu dritt. Der Schaltknüppel ist zu diesem Zweck nach links zum Fahrer abgewinkelt, damit er nicht im Anus vom "Mittelsitzer" (auch "Arschlochkartenplatz") rumrühren muss. Sitzt man vorne, hat man in der Regel Pech: entweder ein fetter schwitzender Bolivianer neben einem... oder eine fette schwitzende Bolivianerin.

4) Das Japanerbus-Trufi

Im Prinzip wie ein Trufi, man zwängt sich allerdings sehr kuschelig mit bis zu (insgesamt) 16 Leuten in so einen kleinen japanischen Minibuss, 2 sind keine Fahrgäste, einer ist der Fahrer, einer der "Rausschreier": das Schild für die Fahrstrecke hängt zwar auch vorne in der Scheibe, allerdings können ja nicht alle Bolivianer lesen. Also bölkt immer einer fröhlich aus dem Seitenfenster:
"ObrajesCalacotoSanMiguelObrajesCalacotoSanMiguelDosCincuentaDosCincuentaaaaa!!!". Das bitte in ca. 4 Sekunden laut vorbrüllen. Da hier zu den Hauptverkehrszeiten alles voll ist mit diesen Trufis, wird man anfangs von den Ansagen fast in den Wahnsinn getrieben, muss ungefähr so sein wie die erste Woche nachm Umzug... neben `ner Bahnlinie.
Im Gang befinden sich Klappsitze (Typ "Kniescheibenknacker"), wenn man ganz hinten links sitzt und raus will, muss man dann warten bis mindestens 7 Mann aufgestanden sind und sich nach draussen gezwängt haben. Als grosser Deutscher kommt man unter 3 mal irgendwo Gegenstossen eigentlich nicht weg. Wir benutzen daher meistens das Auto-Trufi.
Die meisten Ampeln hier werden übrigens mit der Hand geschaltet, da ist ein Polizist, der knipst den ganzen Tag die Strassenfarbbeleuchtung um, hochinteressanter Job muss das sein (ganz wichtig: Trillerpfeife, muss mindestens einmal alle 10 Sekunden zu hören sein, scheissegal weswegen, hauptsache trillert).

Letztens haben die Taxifahrer gestreikt, neue Kennzeichen sollten eingeführt werden, verbunden mit TÜV. Da aber maximal 2% aller Taxis überhaupt irgendeine Chance auf den (obwohl laxen) bolivianischen TÜV haben, haben ca. 25% der Fahrer gestreikt. Pikantes Detail: der mit Eisenstangen, Steinschleudern und Gummischläuchen bewaffnete Mob schlug auch die Fensterscheiben der Taxis ein die noch fuhren... zum Teil auch wenn noch jemand drin saß!
Die Fahrer wurden rausgezerrt und haben vor laufenden TV-Kameras 3 Schläge mit dem Gummischlauch auf den Hintern bekommen. Nach kurzer Fahrt sind wir also aus dem Taxi ausgestiegen und haben uns zu Fuß auf den Weg ins Büro gemacht.
Leider auch zurück, wir haben zwar ein Taxi gefunden, der Kunde konnte uns aber nur über Schleichwege einen Kilometer weit bringen. Also aussteigen, 1 Stunde strammer Marsch bergauf in bolivianischer Sonne. Scheiss TÜV.
Die spassigste Art allerdings, ist das Quadro-fahren (auch Quads genannt), was man dafür braucht?

20 Bolis für `ne halbe Stunde. Das war`s.
Kein Lappen, Einweisung oder Helm, Hauptsache Geld dabei und gut. Saugaudi, vor allem wenn man soweit wegfährt, daß niemand der Verleiher Einsicht hat. Man kann dann ganz in Ruhe Sprünge trainieren...
PS: Wer ganz sparsam sein will, der setzt sich einfach zu viert auf einen Roller...



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