Tuesday, September 05, 2006

11) Und nochmal Deathroad... mitm Fahrrad

Als wir relativ am Anfang die Deathroad mit dem Auto gefahren sind, haben wir uns über eine Spezies lustig gemacht: den Fahrrad-fahrenden-Touristen-Deppen.
Schmutzig und erschöpft zogen sie an unseren Autofenstern vorbei und wir dachten uns: "Das` bestimmt kein Spass.". Da wir aber auch nicht zum Spass hier sind hamm` wa uns jedacht: "Das machen wir auch mal!".
Gesagt getan, Student Matthias aus Stuttgart will auch mit, wir haben die Wahl zwischen 2 Fahrrädern, gute für 54$, "Männer-Räder" für 40$, da wir alle echte Kerle sind, nehmen wir die Männer-Räder.
Morgens um 7 geht es los, wir sind überpünktlich um 6 Uhr 38 da, wir warten auf den Rest der irgendwann so um 7 Uhr 15 da ist: Israelis. Hm.
Diese sind, bis auf einen, sehr introvertiert, es stellt sich heraus, daß einer irgendwie Deutscher ist, er will aber kein deutsch reden, lieber englisch. Sehr seltsam, aber muss ja jeder selber wissen...
Wir gurken im Japaner-Mini-Bus 45 Minuten hoch zum Pass auf 4700 Meter, von da an Downhill auf asphaltierter Strecke 26km, Geschwindikeitsspitzen 70km/h, das fetzt!
Unser Guide Victor ist ein kleiner Wicht von 1 Meter 60, wiegt entsprechend wenig und Downhill ist er den massigen Deutschen unterlegen (man darf nicht überholen, wir lassen uns rollen, er muss strampeln). Heikos Helm will nicht so richtig passen, er muss den Boonie-Hat unterziehen ("Lass so Heiko, sieht schneidig aus, MUAHA!")

Die letzten 6km geht es mehr oder weniger bergauf, daß fetzt auch, vor allem in den Oberschenkeln. Basti`s persönliche Geschwindigkeitsspitze: zu Fuss, schiebend

("Scheiss Bayern hier!").
Guide Victor hängt hier alle ab, selbst der Berge-mit-Drahtesel erfahrene Matthias loost gegen ihn ab, Respekt!
Bei knappen 3000 Höhenmetern geht dann die Deathroad los, wir kriegen nochmal eine Einweisung, wer mit dem Fahrrad spielt landet im Bus!!!
(Das gilt vor allem für die Samsons, falls ihr das mal machen wollt ;] )
Die Strecke ist nun bessere/schlechtere Buckelpiste, es geht steil runter, man ist nun aber im Gegensatz zum asphaltierten Stück wesentlich konzentrierter, links geht es 1200 Meter relativ ungebremst runter. Zum Teil ist der Hang nur nach starkem rauslehnen über den "Fahrbahn"-rand zu sehen, der Bewuchs an der Seite ist trügerisch, man kann schnell durch eine Pflanze ins Leere treten.
Die Israelis sind zum ersten mal auf der Deathroad, sie spielen, machen Wettrennen und fahren agressiv, wir lassen es daher ruhiger angehen und reihen uns am Ende ein. Nach einer halben Stunde kommen wir an einen kleinen Rastplatz mit einem Gedenkstein.

Die Inschrift ist hebräisch, ein Israeli ist 2001 hier ums Leben gekommen, der Guide sagt uns, daß der Israeli sich selbst überschätzt hat und Kunststückchen machen wollte, daß hat ihn das Leben gekostet. Tut uns leid für ihn, aber er war auch selber schuld, die Strasse heisst ja nicht umsonst "Death"-road. Vor 3 Wochen ist ein Bus abgeschmiert, 26 Tote, 40 Schwerverletzte, eigentlich noch glimpflich abgelaufen (Leicht- oder Unverletzte gibt es eigentlich nie).
Weiter geht es runter, immer wenn ein Laster oder Bus entgegenkommt stoppt der Guide, auch mit Fahrrad ist die Strasse dann zu eng, der Verkehr ist aber zum Glück nicht so stark wie am Feiertag bei unserem ersten mal. Zwischendurch klonkt der Vorderreifen von Basti --> Platten.

Der hinterherfahrende Bus hat aber alles dabei, da das Vorderrad komplett hin ist gibt es ein neues (insgesamt 3 Platten bei 10 Leuten), später springt auch noch die Kette runter.
Wir sehen mittlerweile ziemlich Scheisse aus, daß Matschige weicht mit jedem Meter den wir tiefer kommen dem Staubigen, in einigen roten Sandflecken kann man keine 10 Meter weit sehen, man ist aber relativ fix unterwegs und die Strasse ist schmal.

Uns wird daher etwas mulmig und wir vergrössern die Abstände, zusätzlich kriegen wir Staubmasken ("Doktor Vogt bitte zum OP 3, Doktor Vogt bitte!").
So langsam tut der Arsch auch ziemlich weh und die Hände fangen an zu schmerzen, erste Zweifel über die 14$ Ersparnis spuken in unseren Köpfen.
Gegen Ende geht es nochmal steil bergab, die Strecke ist vollgepackt mit spitzen Steinen, jetzt bloss nicht aufs Fressbrett legen! Ärsche und Hände kriegen nochmal das ganze Schmerzpaket ab, ein Israeli labert mit seinem Kumpel, auf einmal "WHOA!", er ist ganze 10 cm an der Kante gefahren.
Basti: " Hey, don`t make me nervous!"
Israeli: "Fuck shit, yeah you`re right!" (das war der umgängliche Israeli)
Ein anderer Israeli kommt mit Vorderrad links in die Spurrille, mit dem Hinterrad rechts, macht eine ungewollte 90° Drehung Richtung Abgrund und muss erstmal absteigen um keinen zweiten Gedenkstein zu erzeugen.
Der Chef hatte schon recht, je öfter man die Deathroad fährt, umso mehr Respekt hat man. Ganz zum Schluss geht es dann noch durch ein paar Pfützen, wenn schon dreckig dann wenigstens richtig Scheisse, wir sind ja nicht... (usw)!
Als wir unten im Tal nach 24km und insgesamt 4 Stunden auf 1170 Höhenmetern ankommen, denken wir uns dann auch: "Joa, war geil, is` aber auch gut jetzt..."
Der nette Israeli: "I`m sure the Germans want Beer too!"
Wir bemühen uns, seine Vorurteile zu bestätigen und genehmigen uns 3 kühle Blonde.

Victor geben wir einen aus. Wir müssen zwar mit dem Bus nochmal die Deathroad hoch um nach La Paz zu kommen, aber den Teil den wir selber versauen können haben wir zumindest geschafft. Auch wenn wir ziemlich scheisse aussehen...

Erstmal geht es aber ins Hotel nach Coroico, duschen, in Pool springen, Arsch reiben und Buffet-essen. Und wirklich, der erste Billardtisch mit genormten normalgrossen Löchern! (sonst sind die Taschen in Bolivien furchtbar klein und im spitzen (!) Winkel, wir haben kaum eine Kugel bisher reinbekommen, das Hotel ist aber "german-owned")
2 Israelis wollen auch, wir bauen auf, wollen ihnen den Anstoss lassen, aber ne, sie wollen nur zu zweit spielen, nach uns... . Hm². Muss ja jeder selber wissen...
Matthias bleibt im Hotel, er fährt am nächsten Tag weiter in den Dschungel nach Rurrenabaque (schreib doch mal in den Kommentar wie es da war Matze!)
Auf dem Rückweg sehen wir nochmal einen alten Kumpel: den vermutlich Fahnenflüchtigen Deutschen von der Backstube! Matthias will trotz Angebot von 10$ nicht "Fahnenflucht" rufen, schade schade...
Der Rückweg bergauf ist an der Bergseite, der Fahrer ist sehr erfahren, merkt man immer dann, wenn man rechts keinen Boden sieht und trotzdem nicht abstürzt ("Hui, der kennt seine Karre!").
Endlich in La Paz angekommen, steigen die Israelis ohne weiteren Kommentar aus und hauen ab. Hm³.
Wir verabschieden und bedanken uns nochmal bei unseren Guides und holen am nächsten Tag die Foto-CD ab (an Bastis Dad: daher die etwas schlechtere Qualität, es war nicht meine Schuld!)
Insgesamt ein riesen Spass, wir empfehlen aber dann doch die Weicheier-Räder zu nehmen, der Arsch tut 3 Tage (!!!) später immer noch weh, wir gehen von der Firma erstmal ein Stück zu Fuss um das Gesäß zu entspannen. Wer seinen Spielkalb-Trieb im Griff hat sollte die Tour aber unbedingt mal machen! (Wie in Potosi im Bergwerk, man kann halt nicht immer nur Kirchen anschauen...)
Schlussendlich beschliessen wir den Tag mit einem Dienstabschluss-Bock im Mongos.

3 Comments:

At 3:35 PM, Anonymous Anonymous said...

Moin Ihr zwei!

Erst jetzt komme ich dazu euern Blogspot mal genauer unter die Lupe zu nehemen.
Ich bin heute in Lima angekommen und hier wimmelt es nur so von Alternativen. Das waere was fuer dich, Basti.
Die Bike-Tour war doch genial, oder? Ich hab auch euern Beitrag zum Schiesstand gelesen und ich glaub das war fuer euch wohl das Paradies.
Leider fliege ich morgen wieder nach Good Old Germany.

Viele Gruesse und meldet euch mal unter m.schad@web.de

Matthias

 
At 9:21 AM, Anonymous Anonymous said...

I inclination not concur on it. I regard as polite post. Especially the title attracted me to study the intact story.

 
At 7:23 AM, Anonymous Anonymous said...

Good fill someone in on and this mail helped me alot in my college assignement. Thanks you on your information.

 

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