18) Dschungel, zweiter Teil
Das Essen war irgendeine... Suppe (lassen wir`s einfach bei dem Begriff -_- ) sowie Reis und Fleisch mit Salat.
Nach der Taufe des fettesten Schweins auf den Namen "Jupp" (sieht nur auf dem bild gefährlich aus, weil er gähnt die faule Sau), einer erfolglosen Jagd auf das Äffchen (der Schisser)
und einer ersten näheren Kontaktaufnahme mit unseren Mitreisenden ging es weiter in den Nationalpark... idyllischer erster Eindruck: eine staubige Piste, eine Schranke, und erstmal löhnen -.- .
Nach endloser Fahrt auf der Holperpiste, unterbrochen nur durch bolivianische Rindertreiber zu Pferde (für den Begriff "Cowboys" fehlten einfach Fluppen oder Kaugummis, aber die Jungs gaben ihr Bestes um cool zu sein...)
erreichten wir einen Fluss. Hier trafen wir auf unseren Guide "Negro", er unterrichtete Psychologie und Philosophie, sah aber eher wie ein typischer Dschungelbwohner aus.
Er war erstaunlicherweise schon über die Ankunft zweier deutscher Offiziere informiert, da kam das VIP-Feeling wieder hoch, war aber auch nicht wirklich schwer uns zu erkennen: Boony-Hat, Camelbak, Bundeswehrbotten und schneidiges Auftreten (so gut das in der Hitze ging) taten da ihr übriges.
Also alle Mann ins Boot, wir zuletzt, die anderen sicherten sich die Plätze ganz vorne... um dann zu erkennen das das Gepäck direkt hinter uns eine vorzügliche Lehne boten. Die war durchaus wichtig, denn nachdem es sehr interessant los ging, mit Krokogatoren
(wir konnten uns den Unterschied zwischen Krokodilen und Alligatoren nicht merken, also kurzerhand den "Krokogator" erschaffen), Vögelzeuchs, hässlichen behaarten Seerobben auf Beinen (ohne scheiss jetzt, die sehen echt so aus) und einem Batallion Schildkröten zog sich die Fahrt etwas in die Länge.
VIDEO
Wir konnten auf unserem Rucksacklager ganz gut knacken...
Nach kurzer Erholung in einer Dschungelbar direkt am Fluss (was die da mitten in der Butnik nach Feierabend machen? Das is` ja mal NICHTS...)
kamen wir nach 3 Stunden (oder 4? Egal, kam einem eh wie 10 vor) in unserem Camp an und begrüssten das Personal vor Ort.
... für Dschungelverhältnisse gar nicht schlecht, Dusche,
Toilette mit Schüssel zum draufsetzen (da hatten wir echt nicht mit gerechnet),
ein Küchenschuppen sowie
2 Schlafräume (einer für eine Gruppe, im Verlauf unseres Aufenthaltes kam ein zweites Touristenböötchen angeschippert) und ein Eßsaal. Dazu noch jede Menge Hängematten und eine Feuerstelle, recht idyllisch also.
Nach der Zuordung der Schlafstätten (Holzgestell, Matte, Moskitoschutz) jetzt was an die Kauleiste heften und ins Bett... doch dann taucht Negro auf:
"Get ready Amigos, we`re going crocodile-hunting!"
Krokodiljagd? Genau das Richtige vorm zu Bett zu gehen... mit gemischten Gefühlen und einer Portion Abenteuerlust / Leichtsinn alle ab ins Boot sobald es dunkel wurde. Bewaffnet mit Taschenlampe, Fotoapparat, Kampfmesser und Sanitätsoberschenkeltasche bekamen wir unseren Auftrag: den Rand des Flusses ableuchten und auf 2 rote Punkte achten... Krokodilsaugen. mal ehrlich: zumindest das Finden unsere beschuppten Reptilienkumpels ist mal total einfach, alles dunkel, nur 2 rote Punkte im Wasser bzw. am Ufer, alte Atom-Uboote mit modernem Sonar aufspüren dürfte schwieriger sein.
Die "nicht ganz so leichte" Aufgabe des rausfischens der Krokogatoren haben wir dann doch aber Negro überlassen (der sich bei so einer Geschichte auch schon öfters blutige Arme abgeholt hat, am besten war mal eine italienische Gruppe: nachdem der Kroko ihm ein Stück aus dem Arm gebissen hat und er wie eine abgestochene Sau blutet, kommen die Italiener um ihm zu helfen... NACH diversen Fotos seiner Verletzungen, fürs Album daheim...).
Die kleinen kann man dabei mit der blossen hand aus dem Wasser greifen, richtig gefährlich kommen die Lütten aber noch nicht rüber.
Im Gegensatz die grösseren, da wird dann auch Negro etwas konzentrierter, man Suche einen mittelgrossen bis grossen ("fotoalbumtauglichen" eben) Krokogator der ein wenig am Ufer ablachst und sich nichts Böses denkt. Dann mit Boot direkt ran oder Kommando-mässig daneben anlanden, rausspringen und ihm eine Schlinge um die Schnauze werfen... dummerweise hatte unser Kroko kein Bock zu den dämlichen blassen Gringos im Boot zu hüpfen (er ist bestimmt schon in 1000 Urlaubsalben hehehe) und wollte sich im Busch verkriechen, nach erneutem Ansetzen Negro-seits hatte er aber keine Wahl.
Er wurde heut nacht ein Star und musste 10 Minuten Blitzlichtgewitter über sich ergehen lassen bevor er wieder in den Fluss durfte (hat ein wenig rumgezickt aber naja, es gibt schlimmeres).
Mitten in der Nacht sind wir dann zurück und in unsere Kojen gefallen, morgens sollten wir früh raus (um 9 oder so), und dann gehts auf Anaconda-Jagd in die Pampas.
Also am nächsten Morgen (Basti mit Ausschlag auf dem Rücken, scheiss Stoffmatte) mit Stöckern ausgerüstet, unten mit kleiner Y-Gabel, damit sollen wir die Anacondas auf den Boden drücken wenn wir sie in den Pampas am boden ausmachen.
...was sich als recht anstrengend herausstellte. Denn zum einen gibs in den Pampas kein Schatten, die Sonne ballert vom Himmel, es ist tropisch-heiss und man steckt permanent um die 20 bis 30 Zentimeter im Matsch, wer Glück hat auch mal bis zum Knie, und so stapft man dann (im wahrsten Sinne des Wortes) durch die Pampa... ganz schön schlauchig für Urlaub, aber wir sind ja nicht zum Spass hier...
Dabei hatten wir aber Schwein, schon nach 50 Minuten (das kann sonst 4 bis 6 Stunden dauern O_O) hat Negro eine Anaconda gefunden, einen richtigen viereinhalb Meter-Brocken auf den die Guides anderer Companys noch neidisch werden sollten, echtes Glück gehabt und wir konnten uns nach der üblichen Fotosession wieder ins Lager trollen. Bis auf die Irin, die panische Angst vor Schlangen hat, ging es allen recht gut.
Da wir Zeit gut gemacht haben erfüllt Negro den vorwiegend männlichen Antragstellern einen Wunsch: wir fahren los und kaufen BIER! :D
Bei unserem „Kiosk“ etwas flussabwärts, ein paar Holzhütten und eine Handvoll Einheimischer, decken wir uns dann mit allem ein, die Mädels gehen Pferdchen reiten und die Jungs spielen Fussball (Heiko, barfuss)
Nächster Auftrag: Piranhja-Fischen :D
Piranhjas sind nicht so ganz wie in den James-Bond-Filmen, sie zerfleischen nicht sofort jeden Mitteleuropäer, sobald er denkt in die Nähe eines Flusses wo eventuell Piranhjas sein könnten zu gehen… aber wenn man blutet sollte man mit ein paar kleinen Bissen rechnen.
Wie man die nun angelt: Fleischbrocken an den Haken, rein ins Wasser vom (stehenden) Boot aus und wenn’s zuppelt erst kommen lassen und dann den Choke ziehen: hart nach hinten reissen das der Haken sich im Fisch festbeisst (oder eben umgekehrt… egal). Basti hat nach kurzer Zeit Erfolg und freut sich einen Ast ab… bis Negro sagt, dass das bloss eine Sardine ist…
Aber dann haben Heiko als auch Basti doch noch Piranhjas rausgefischt, alle Fische wurden dann abends vertilgt (und wie unser Chef schon sagte, „Piranhjas schmecken scheisse…“… hat er recht).
Der Abend klang dann bei Lagerfeuer, einem singenden und Gitarrespielendem Negro und kiffenden Israelis aus (die hatten ihren Militärdienst in der Israeli Defense Force grad hinter sich, ist da echt kein Zuckerschlecken…).
Früh morgens weckt Negro dann alle, auch wenn kaum einer aufstehen mag um 8 Uhr in der früh, eigentlich sollten nun alle ins Boot, Affen beim Morgengebet anhören, ist aber auch gar nicht nötig: das, was wie ein dumpfes Rauschen klingt, sind die Affen die morgens wie die bekloppten den Urwald zubölken um ihr Revier zu markieren… irgendwie klingt das überhaupt nicht nach Affen und lässt sich mit Worten kaum Beschreiben. Der mix aus einem Riesen-Transformator und einem Dieselaggregat (hab ja gesagt, schwer zu beschreiben). Da der ganze Kontinent vom Kreischen / Brüllen / Orgeln der Affen erfüllt ist, brauchen wir kein Boot zu besteigen.
Am Nachmittag dann Ausrücken zur Stelle, wo uns der Landrover wieder abholen soll, doch bevor unsere dreieinhalb Tage Dschungel rum sind, die Abschlusskür, schwimmen mit Flussdelphinen (was es nicht alles gibt).
Eine Plastiktonne im Wasser, auf die Negro mit einem Stock klopft, lockt die neugierigen Nass-Säuger an, leider machen die nicht so Flippergeräusche und für Saltoschlagen hätten die wohl auch jemanden gebraucht, der sie trainiert, aber immerhin sind die Dinger echt.
Zum Abschluss dann Mittagessen beim Roverparkplatz, wir sammeln etwas Geld für Negro da er ein fantastischer und netter Guide war, er wills nich haben,
wir zwingen`s ihm kurzerhand auf und ein Israeli schmeisst ihn dann noch ins Wasser.
Er revanchiert sich und schleppt seine grosse Liebe, eine der Irinnen, auch noch ins Wasser, schöner Abschied, wenn wir noch mal nach Rurre zu den Tudelas (unseren Reiseveranstaltern) kommen, dann muss es wieder eine Tour mit Negro sein.
Der Rückweg mit den Landrovern ist gewohnt holprig,
alle sind etwas geschafft von den vergangenen Tagen, wir verbringen dann noch gemeinsam den Abend in der Moskitobar, tauschen E-mails aus und gehen dann schlafen. Nicht mehr im Hotel Berlin, wir wollen die letzte Nacht vor dem Flug mit warmem Wasser duschen und gehen in ein anderes, etwas gehobeneres Hotel, einzig Bastis Ausschlag macht ihm verbunden mit Virus ein wenig zu schaffen, aber zum richtig krank werden war irgendwie keine Zeit.
Am nächsten Morgen dann früh auf, zum „Flughafen“ (der Sandpiste mit dem kleinen Gebäude daneben) und zurück nach La Paz...


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