19) Kavallerie
Ah… einfach so… na ok, der oberst wird da ja zumindest bescheid gesagt haben das wir kommen… vermutlich.Sohnemann Josh war sogar pünktlich, und um 14 Uhr Ortszeit ging es los, auch wenn der Taxifahrer nicht wusste wohin („Egal… erstmal immer den Berg hoch…“), kamen wir schliesslich am Tor an.
Die Hindernisbahn war offensichtlichlänger nicht benutzt worden (auch wenn Teniente Camacho Stein und Bein schwor, das die regelmässig genutzt wird), hatte aber ein paar interessante Sachen zu bieten, neben den Standarts wie Durchhangelstrecke und Eisenbahnschwelle zum balancieren,
eine „Überklappwand“ (rauf, mit dem Oberkörper rüberhängen, Stange greifen und mit Überschlag auf den Boden… eignet sich perfekt um sich beim ersten Versuch Fressbrett oder Genick zu brechen, wir haben daher auf einen Testlauf verzichtet).
Die Eskaladiermauer war tatsächlich eine Mauer, einfacher zum hochkommen als bei der Bundeswehr, dafür schmaucht dann aber auch ein Feuerchen direkt dahinter, auch wenn der Rekrut schon recht fertig gemacht wurde, das Feuer motiviert dann doch wieder zu einem motivierten Weitsprung.
Es stellte sich dann heraus, das so ziemlich hinter jedem zweiten Hindernis ein Feuerchen lodert… spätestens hier wär in der Bundesrepublik Schluss.
„Wieso Unfälle? Das Ende des Seilsteges ist doch nicht hoch?“ fragen wir.
„Ja ne, die sind runtergefallen.“
„Hä? Wurde der Sicherungsgurt falsch angezogen?“
„Es gab keine Sicherung…“Hm, wenn man so aus vier bis fünf Meter auf den Sandboden fällt (wohlgemerkt der „normale“ Sandboden, der ist ungefähr so hart wie Fels), da kann man sich durchaus einige Knochen brechen… wenn nicht alle.
Dummerweise / glücklicherweise ergab sich keine Gelegenheit, die Gäule auszuprobieren… wir wussten ja nicht mal wo die Dinger das Zündschloss haben *hust*.
Können wir denn auch mal die Waffenkammer sehen? Sicher. Die Armee ist standardmässig mit dem FAL von FN ausgestattet (im Prinzip ein G3), Uzi-ähnliche Maschinenpistolen, Shotguns und RPG 7… sehr interessant den „Blackhawk-Downer“ mal live zu sehen. Zudem sind noch Maschinengewehre in 7,62 (sehr ähnlich dem MG3) und „fiftys“ vorhanden (schweres MG in 0.50 Zoll, also 12,7mm).
Von besonderem Interesse waren neben dem FAL aber vor allem die M16`s.
Am zweiten unseres Zweitagesbesuches war ein Ausschiessen natürlich unvermeidlich, dummerweise wusste der Leutnant Camacho was vom Schiessen, die Sau war richtig gut!
Das Schiessen auf 100 Meter mit 7,62 war bei uns beiden allerdings auch lange her, dass müssen wir an dieser Stelle einfach mal so sagen… -_- .
VIDEO
Gegen Ende unseres Besuches wurden dann noch deutsches Panzeraufklärerbarett mit bolivianischem Commandobarett getauscht (in Tarnfleck, hochinteressant).
Besonders interessant die Commandoausbildung, man sieht Leutnant Camcho mit augeschlitztem Hund, mit blutverschmierter Uniform und grimmigem Grinsen (wie sich das gehört). Hochspektakulär: bei einer Vorführung der Ausbilder wird ein Sprengsatz auf einer ca. sieben Meter hohen Brücke gezündet, die Ausbilder springen dabei kurz bevor sie der Feuerball der Explosion erreicht von der brücke in den Fluss. Sieht zwar eher nach Hollywood denn nach militärischer Taktik aus, tut der Freude aber anscheinend keinen Abbruch. Das Highlight ist aber eine andere Übung: der Lehrgangsteilnehmer muss von einem Kubikmeter-Betonklotz zum nächsten springen, wird dabei mit MG beschossen… aber nicht „drüber“, sondern „dahinter“, und zwar nicht von einem mechanischen Vorrichtung oder so, sondern von einem ganz normalen Ausbilder (hoffentlich hat der keinen schlechten Tag).
„Gab`s da nicht schon mal Unfälle?“
„Doch doch, allein die 2 jahre die ich da war sieben bis acht, die langsamen kriegen halt mal einen ab…“
Hm, die grenze zwischen Schneid und Dummheit war halt schon immer fliessend O_O!!
Die Bolivianer hätten gern, das wir einen Ausbildungsaustausch vermitteln, damit deutsche Offiziere auch mal die bolivianische Ausbildung machen können, beim Gespräch mit unserem Militärattachée einige Tage später stellte sich aber leider heraus, dass bei ungefähr 50% der Ausbildung der Deutsche nicht versichert wäre (und damit fällt`s aus). Eine Sache viel aber etwas aus dem Rahmen: das bolivianische Militär wird auch für Polizeimassnahmen im Inland eingesetzt, und wir vermuten häufiger. Denn die das mit Abstand modernste fahrzeug war ein Wasserwerfer (der „Triton“), mit mehreren von innen bedienbaren Werfern und Kamerarundumsicht, schickes Teil!


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