Saturday, June 30, 2007

14) Praktikum reloaded!

Praktikum relodaded!
Unser letztes Praktikum 2006 war so erfolgreich, dass wir beschlossen, auch das zweite einfach wieder beim Chef zu machen.
Allerdings war das gar nicht so “einfach” zu organiseren: Unser Notenschnitt musste im Bereich “Gut” liegen, alle Klausuren und Hausarbeiten mussten statt “3 Wochen nach Trimesterende” ( :D ) schon “ eine Woche vorher” ( -.- ) fertig sein. Zusätzlich noch diverse Sportprüfungen und der obligatorische “Krieg der Formulare”. Nach diversen Telefonaten mit Wehrbereichsverwaltungen, Logisitkunternehmen und dem Rumgerenne in der Universitaet hatten wir auch langsam den Kanal voll (Heiko kann theoretisch ohne weitere Pruefung seinen Verwaltungsfachwirt einreichen). Schade dabei: Wir hatten schon einen Flug gebucht und bezahlt, der uns bis nach Lima tragen sollte (und dann eineinhalb Tage mit dem Bus weiter), doch der nette Herr bei der Wehrbereichsverwaltung aber sagte am Telefon: “Wieso? Wir buchen den für Sie und bezahlen auch…” ◊ Super Sache! Schade bloss - wir blieben nun auf 200 Euronen Stornogebuehr sitzen. Naja, dafür fliegen wir nun direkt nach LaPaz und stilecht mit Lufthansa! :D
Von Hamburg über Frankfurt (Gruss an Dad, der diesen Text polishte), dann nach Caracas, dort mit “Taca” Airlines nach Lima und anschliessend nach LaPaz. Bei der Ankunft in Lima steht da ein gläserner Würfel mit allerlei Messerdingens und Nagelscheren, die deren Besitzer wohl da lassen mussten. Dass wir jetzt tatsächlich in Südamerika waren, ließ sich eindeutig daran feststellen, dass sich zwischen den ganzen Schneidwerkzeugen auch Sporen zum Pferdereiten (?) befanden ( o_O? ).

Beim Start in Lima sitzt ein Brite neben Basti:
“You were in this plane yesterday too?”
“Erm no… why?”
“Yesterday I sat in a plane but it was broken and all passengers had to go out of the plane and wait until tomorrow. And it was THIS plane. This is ridiculous!”
Anscheinend musste eine komplette Tuer des Fliegers am Vortag getauscht werden. Nicht unbedingt beruhigend, vor allem, wenn dann noch kurz vor LaPaz einige Turbulenzen den Flieger rütteln (obwohl’s nicht sooo schlimm gewesen sein kann, denn die Saftwagensachbearbeiterinnenn haben in bester Dienstauffassung weiter serviert).
Nach der Landung ergab sich dann doch noch ein weiteres Problem: unsere Bude war schon reserviert… aber wo? Mit einheimischer Hilfe hatten wir uns ein Apartement mieten lassen, aber die Adresse hatten wir nicht bekommen und auf unsere E-mail Anfrage hatte bisher keiner geantwortet (übrigens: auf dem Frankfurter Flughafen kostet eine Stunde Internet satte 12 Euro, mit den eingeworfenen 20 Cent mussten wir in Rekordzeit E-mails checken, so eine Minute ist schnell rum… in LaPaz kostet eine Stunde Internet dagegen 30 Cent…).
Was also tun? Unsere Überlegungen, bis wir am nächsten morgen den Chef im Büro aufsuchen konnten:
Rumlungern bis es hell wird
In eine Kneipe gehen und sich bis zum nächsten Tag besaufen
Randale anzetteln und im Knast pennen (wurde sofort verworfen)
Rumlungern in El Alto (da ist der Flughafen, dasselbe Viertel wo die auch mal gerne Leute an ‘nem Laternenpfahl aufknüpfen) war irgendwie nicht ganz so heimelig, Option 2 dagegen schon besser, aber mitten in LaPaz um 3 Uhr aus einer Kneipe torkeln und denn auf einer Parkbank knacken? Weder die Sicherheit unserer Rucksäcke noch die würdige Vertretung Deutschlands schienen uns da auf einem adaequaten Niveau zu sein. Beim Verlassen des Flughafens (“Egal was kommt, erstmal raus aus El Alto…”) löste sich aber alles in Wohlgefallen auf: ein Einheimischer mit einem “Daniel, Vogt” Schild (das sind wir...) nahm uns in Empfang, holte ein Taxi, erklärte den Weg und bezahlte. Dabei hatte er eine Nachricht von unserer lokalen Helferin, die uns für den nächsten Tag einwies. Da kam richtig VIP-Feeling auf, danke Patty Garcia an dieser Stelle!
Hatten wir das letztemal in einer Bruchbude gehaust (“Das Haus der tausend Treppen”, siehe weiter unten) waren wir diesmal in einem Hochhaus im 16ten Stock, voll möblierte 2 Zimmer mit Sitzecke im breiten Flur, Küche, Abstellraum mit Waschmaschine, Bügeleisen und “Notklo/-dusche-Kombination”, dazu Fernseher bei Heiko (obwohl wir uns bisher nicht entscheiden können, was rottiger ist: Programm- oder Empfangsqualität). Als Bonus noch eine klasse Sicht auf LaPaz mit umgebenden Bergen. Im Gegensatz zum letztenmal eine 1000%ige Verbesserung für gerade mal 80 Dollar mehr im Monat (insgesamt für beide). Nachdem wir alle Rüschen-Tischdeckchen und Porzellangeblödel weggeräumt hatten, war eine angenehm-nüchtern-männliche Arbeitsathmosphaere hergestellt.
Am nächsten Morgen dann eine “Bundeswehr-like” Übernahme der Wohnung (ja, sogar die Porzellan-Elefanten und -Eulen waren auf der Liste, die Tischdeckchen mussten wir auch wieder rauskramen) und dann ab zum Chef ins Büro, dort herzliches Wiedersehen mit allen Mitarbeitern und dann Abschlussbierchen beim Chef zuhause.
Beim letzten Besuch hatte der Chef noch nie eine Pistole abgefeuert, bis wir ihn mit zum Schiessclub nahmen. Doch mittlerweile stockte er mächtig auf: Erlaubnis zum Tragen von Waffen und Munition jedweder Grösse, eine Browning High-Power 9mm, dazu eine brandneue Bul Cherokee 9mm aus Israel samt Vordergriff und Schulterstuetze (!), sowie das Geschenk seiner Frau: ein BRNO 5 22er Longrange Repertiergewehr aus aegyptischer Quelle, vermutlich beim Afrikakorps benutzt worden, hochpraezise und mittlerweile mit modernem Zielfernrohr. Dazu natuerlich noch diverse Munitionssorten. Laut Aussage von Chefes Ehefrau hatte er im vergangenen Jahr jede Menge trainiert, um uns diesmal beim Ballern zu schlagen … Nun wir sind der Meinung, jeder sollte ein Hobby haben :D
Wir haben dann noch gefragt ob wir hier beim Militär angemeldet sind. Nun irgendwie schon, aber keiner weiss wie denn so genau:
Telefon klingelt bei Chefe Barragan, die kleine Tochter geht ran. Irgendein Typ von der Marine ist am Apparat. Doch bis der Chef beim Telefon ist, hat er aber wieder aufgelegt… aha. Naja mal sehen, ansonsten machen wir es wie beim letztenmal: Hingehen, anklopfen und lächeln.
Nebenbei haben wir erste Kontakte geknüpft, um Daten für unsere Diplomarbeit zu sammeln, wenn doch bloss schon unsere Kisten mit Dienstanzug und “Bestechungsmaterial, leicht” (Nutellagläser) da wären…

UPDATE ein paar Stunden später: Unsere kisten wurden erst am 26. Juni losgeschickt (also als wir schon hier waren -.-), da der bolivianische Vertreter des Logistik
Unternehmens im Urlaub war... ohne Bescheid zu geben oder eine
Vertretung zu benennen. Und nu soll der ganze Kram am Samstag ankommen,
aber bis die Papiere so weit sind, vergeht der Sonntag und am Montag
sollen wir es dann kriegen... wenn der Zoll mitspielt (und ab 1000 Euro
spielt der nich mehr mit, unsere Kisten sind zusammen so um die 4
tausend Euro... na dann gutes Gelingen!)