Wednesday, July 26, 2006

3) Corredor interoceanico / Interozeanischer Korridor

Die erste Woche wollten wir uns akklimatisieren und LaPaz kennenlernen. Aber unser Firmenchef musste geschäftlich nach Cochabamba und hat gefragt ob wir mitwollen, da konnten wir schlecht nein sagen.
Die Fahrt nach Cochabamba an sich ist schon ein Erlebnis: 6Stunden für 380km, vom mörderischen Gedränge im Stadtverkehr von LaPaz auf endlose Geraden im Hochland, welches mit seiner Weite, verzaubernden Schlichtheit und entfernten Gipfeln von 6000m Höhe reizt... man könnte aber auch trostlose Einöde sagen.
Die Strecke ist asphaltiert und entspricht der untersten Kategorie Bundesstrasse in der ehemaligen SBZ, ist aber tatsächlich die ca 3000km lange Hauptverkehrsader von Brasilien über Bolivien, Peru, und Chile, zwei Drittel davon Amazonas-Gebiet. Mitarbeiter des deutschen TÜV`s und/oder Leute mit Gefahrgut-Transportschein sollten nicht auf der Strecke fahren, die Ladung der Busse, Trucks, Pick-Ups und sonstigen abenteuerlichen Gefährten ist bestenfalls nebensächlich befestigt. Wer auf der Strecke durch ElAlto fährt sollte besser im Stau die Fenster runtermachen: kann schon sein das einem die Brille vom Kopf gerissen wird (und zwar keine Sonnebrille, schön blöd wenn man extrem kurzsichtig ist), ist unserem Chef schon selbst passiert. Basti hat daraufhin seine Sonnenbrille ins Handschuhfach gepackt.
Das Dörfchen Lahuachaca hat keinen Stau, dafür anderes zu bieten: in diesem Dorf werden Rebellen ausgebildet (für Hobby-Fieldspooks und Google-Earth-Freunde: 17° 22min 33,32sec Süd; 67° 14min 16,01sec West), wenn die politische Situation angespannt ist blockieren die gerne auch mal die Strasse und man muss dann querfeldein ohne Licht bei Nacht das Dorf umfahren, für 2 € läuft ein Dorfjunge vor damit man wieder zur Strecke findet (hat unser Chef auch schon gemacht). Auch eine Möglichkeit sein Taschengeld aufzumöbeln. Leider/Gottseidank ist seit der Wahl von Presidente Evo Morales die politische Situation etwas entspannter, wir konnten ungehindert passieren.
Höchste Stelle der Strecke ist der LaCumbre mit 4600m, unser bisher höchster Punkt den wir erreicht haben in unserem Leben... bequem mit dem Auto, ganz ohne Schnee. Bei einem kleinen Spaziergang zum Gipfel haben wir dann gemerkt das 4 Tage Akklimatisierung durchaus ausbaufähig sind, aber die Aussicht ist wirklich grandios. Danach Abfahrt bis auf 2800m, Cochabamba hat also etwas mehr Sauerstoff in der Luft (kommt jedem norddeutschen Flachlandtiroler entgegen).
PS: den Esel haben wir nicht auf dem Gewissen, aber gelacht wie die Grossen MUAHA

Tuesday, July 25, 2006

2) Das Haus der 1000 Treppen



Die Unterkunft in der wir für 120$ im Monat sind ist gar nicht so leicht zu erreichen. Ein fummeliges Türschloss ("mit Gefühl, nicht mit Gewalt..."), einige Treppen und Hinterhöfe/Dächer (so genau lässt sich das nicht sagen), dann noch ne Tür, wieder Treppen, noch mehr Treppen und denn ist man da...vor der letzten Tür. Unsere Vermieter sind ein nettes älteres Ehepaar, Carlos kann leider wenig Englisch, die Hausdame kann nur Spanisch...was sie aber (trotz unserer glaubhaften Versicherung, daß wir totale Bratwürste im Spanisch-Sprechen sind) nicht davon uns freudig mit Spanisch zu überschwemmen. Einfach "Si" sagen und nett lächeln, klappt eigentlich immer. Hier sind noch 4 andere deutsche Praktikanten (Zivilisten), die können alle Spanisch, wir sehen sie aber kaum.
Der Coca-Tee vom Vorabend schmeckt übrigens ziemlich scheusslich, die Blätter soll man roh in den Mund nehmen und kauen. Nachdem Basti 5 Minuten enthusiastisch das eklige Blatt zwischen den Zähnen zermalen hat und es endlich weg ist geben die Gasteltern zu verstehen, daß man dann das Blatt wieder ausspuckt. Hm... Da Basti nichts mehr zum Ausspucken hat lachen die Gastgeber und sagen ihm eine lustige Nacht vorraus. Wie gesagt, wir sind nicht zum Spass hier... Heiko hat die erste nacht dagegen gut überstanden. Wir beschliessen für die nächsten Wochen uns uns ganz relaxt an die Luft zu gewöhnen und unser Spanisch aufzumöbeln. Soviel zu den guten Vorsätzen.
Wir melden uns zum Dienstantritt in Uniform (Feldanzug, mehr ging bei 20 Kilo Gepäck für 10 Wochen nicht mit) bei der deutschen Botschaft und gehen den 15 Minuten-Weg zu Fuß... wir fallen ungefähr so auf wie ein buntes, auf einem Drahtseil Salti schlagendes Eichhörnchen das singt. Die Bolivianer sind alle relativ klein und drahtig, aber dürr...bis auf die Gesichter, die ähneln verblüffend Pfannkuchen. Basti kann mit 1.76 endlich auch mal über fast alle rübergucken, Heiko ist mit 1.86 so ne Art Zirkusattraktion.

1) Flugreise(n)

Soooo...
nach Bolivien zu kommen ist gar nicht mal so leicht. Um genau zu sein 6 Flüge in 36 Stunden...wenn die Deppen von Iberia genau auf unsere Tickets geschaut hätten. Von Hamburg aus ging es nach Brüssel, denn nach Madrid, zu unserem Leidwesen sahen wir gerade noch mit ca. 120 Südländern dicht gedrängt vor einem Fernseher das Elfmeterschiessen im Finale der WM... die Franzosen können aber auch mal gar nichts ohne fremde Hilfe. Dann bemerken wir, daß wir zwar von Madrid nach SaoPaulo fliegen können, unsere Tickets denn aber nach Santa Cruz gehen... der Flug aber nach Buenos Aires. Hm. Da standen wir dann etwas diszolziert in Madrid, denn unser Gepäck sollte von Hamburg aus (ohne es einmal zu Gesicht zu bekommen) nach Santa Cruz gehen, aber von Buenos Aires war da nie die Rede gewesen. Heiko also zum Iberia-Schergen gegangen, die uns ein Ticket für SaoPaulo-Buenos Aires gegeben und gesagt, daß das mit dem Gepäck schon klappen würde...irgendwie. Wir uns also vorgenommen die netten Schalterdamen an den kommenden Flughäfen bis in die Hölle mit unserem Gepäck zu nerven. Haben wir denn auch gnadenlos durchgezogen.
So wurden es dann 7 Flüge in 36 Stunden, mit jedem weiteren Flughafen wurden diese rottiger und die Flugzeuge vertrauensunwürdiger, wenn Fenster einfach mal mit Farbe übermalt sind und am Fuss eine abgebrochene Leiste kalte Luft anbläst, trägt das nicht unbedingt zu einem entspannten Reise-Feeling bei. Aber so ein bisschen wären wir ja auch enttäuscht gewesen wenn alles i.O. gewesen wäre, wir sind ja nich zum Spass hier!
Schlussendlich etwas zermatscht, dafür aber mit Gepäck in LaPaz spät abends angekommen, Abholung von der Aussenhandelskammer hat hervorragend geklappt. In Buneos Aires hat uns eine Amerikanerin aus SanFrancisco angesprochen, sie sollte in LaPaz vom Hotel abgeholt werden, war aber niemand da. Wir uns dann mit ihr in einen kleinen Geländewagen gepfercht und sie zum Hotel gebracht. Wir wussten auch sofort warum hier fast alle n Geländewagen fahren, Strassenlöcher die eher -täler sind und Speedbumbs die so hoch sind das man Nasenbluten kriegt... wir sind allerdings eh schon in LaPaz auf ca 3600m, die Luft kann man mit nem Kuchenmesser servieren. In der Unterkunft kriegen wir Coca-Tee gegen die Höhe (nix wildes, bitte keine Eingaben beim Disziplinarvorgesetzten) und können endlich richtig ratzen...