Monday, September 11, 2006

13) "Ähm... dürfen wir auch mal?" - "Claro!"

(Achtung lieber Zivilist, dieser Beitrag ist STARK militärisch angehaucht und benutzt den einen oder anderen waffentechnischen Fachausdruck, Langeweilegefahr!!!)



Da man es mit den Sicherheitsvorkehrungen nicht so genau hält in Bolivien, dachten wir uns, es wäre doch gut mal in Bolivien Schiessen zu gehen, man kann hier bestimmt einiges ausprobieren.
Wir haben dann auch eher zufällig einen Reitclub gefunden, es hiess man könne da auch schiessen. Leicht skeptisch haben wir uns dort einen kleinen Tontaubenstand für Schnösel vorgestellt, aber als wir die Schiessanlage sahen wurden wir eines besseren belehrt.
Tatsächlich ist der Schiessstand des "Club Hipico, Los Sargentos" der beste in Südamerika, selbst aus den USA reisen Leute an um hier rumzuknallen.

Es gibt hier bis 300m alles, jede Menge verschiedener Ziele, genauso wie einen internationalen IPSC-course ("Todo muerte, pero rapido!" = alles tot machen, aber schnell).
Zudem gibt es keine Limitierung, wer will (und hat) kann auch Panzerfaust schiessen. Vorschlag der Leute dort:
"You can even take your tank here!"
Sorry, der hat leider nicht ins Handgepäck gepasst...

Die Jungs vor Ort waren alle etwas älter und sehr international, so haben einige Vorfahren aus Deutschland, Russland, Chile und den USA. Und alle lieben Waffen, wir haben uns gleich wohl gefühlt. Wir hatten den Eindruck, daß man sich wirklich freute uns zu sehen, auch am zweiten Tag als wir da waren, liess man nicht zu, daß wir unsere Munition bezahlen.


Und dabei haben wir einiges verballert: AR15, 44er Magnum, 92F Beretta (zum Beispiel im PC-game "Max Payne"), Glock in diversen Kalibern, M2 (ein M1 mit Dauerfeuer), Garand (aus "Call of Duty", der Auswurfsound des Ladestreifens ist doch tatsächlich genau derselbe, irre...), getunter Colt 1911, die Grandmasterversion für schlappe 4000 US-Dollar, um nur einige zu nennen.

Die Jungs hier waren hochprofessionel, zum Teil ehemalige Mitglieder des UDT (US-Kampfschwimmer, nun zugehörig zu den Navy-Seals), diverser Armeen und Polizei und haben zum Teil an Wettkämpfen mit der GSG 9 teilgenommen. Und sie verstanden es, sehr exakt und schnell mit ihren Schiessprügeln umzugehen, so konnten wir einiges dazulernen.

Während Heiko auf Anhieb mit 22er Gewehren mit hoher Präzision beeindrucken konnte, tat sich Basti gut im IPSC-course, an die Leistungen der Mitglieder kamen wir aber lange nicht heran (die haben auch in den Waffen-verliebten USA internationale Preise eingeheimst, Respekt!)
Wer einen Tennisarm möchte, der sollte mal die 44er Magnum leerschiessen...

Interessant auch: Umbau eines Browning Maschinengewehrs in ein Präzisionsgewehrs, technisch höchst beeindruckend.

Auch sehr witzig: ein ca. 8m langes Schienenstück mit Draisine (ein kleines Eisenbahnfahrgestell, mit Wippe die durch Muskelkraft den Wagen antreibt), 2 Mann oben drauf, hin und her und dabei auf Ziele schiessen, darauf muss man erstmal kommen!
Wir werden uns, da letzte Woche, nochmal beim Club am Samstag verabschieden, es waren mit die nettesten Leute die wir in Bolivien getroffen haben, danke Jungs!
Heiko würde am liebsten den ganzen Platz mit nach Deutschland nehmen, aber der passt wohl (wie der Panzer) auch nicht ins Handgepäck... .


Thursday, September 07, 2006

12) Trufi-Trafico!

(dieser Blog ist allgemein, nicht chronologisch)
Der Verkehr in Bolivien ist so bekloppt, daß ist uns einen eigenen Beitrag wert.
Die erste Woche erscheint einem jede Teilnahme am Strassenverkehr als glatter Selbstmord, wo 3 Autos fahren können, da fahren auch 3, auch wenn nur eine Spur da ist. Nahezu jedes Fahrzeug hier hat Schrammen und/oder Beulen, einen TÜV hats hier zwar, so richtig ernst genommen wird der aber nicht (zumindest ist das nichts, was man mit 20 Bolis Schmiergeld nicht hinkriegen würde...).

Man muss ausserdem IMMER mit irgendwelchen besoffenen (oder schlichtweg blöden, siehe dem alten Knacker) Fußgängern rechnen. Und nicht vergessen: egal wie blöd der Fußgänger ist, der Autofahrer ist schuld. Dafür darf hier eigentlich jeder, ob geschäftlich oder zivil, Warnblinker anmachen und überall halten, gibt zwar ein paar hupende Ungeduldige hinter einem, die hupen aber auch mitten im Vollchaosstau wenn jeder Hirni sieht, daß es erstmal nicht weitergeht.
Ampeln sind bestenfalls eine Fahrempfehlung (ausser eine Bulle steht direkt daneben), so ist auch besser vor jeder Kreuzung, auch wenn man Vorfahrt hat, vorsichtshalber ein Warn-Hüpchen zu geben. Wer dachte, daß die in Italien und Tschechien scheisse fahren, sollte mal hierherkommen.
Wir werden wohl weinen wenn wir zurückkommen nach Deutschland (vorraussichtlich am 18.09. um 22Uhr30), Sprit kostet hier 3 Boli 73 (= 37,3 Eurocents!!!). Wem das noch zu teuer ist, der fährt Gas, daß ist hier noch spottbilliger, normale Autos werden hier auf Gas umgerüstet.
Auch von Benzin auf Diesel wird günstig mit wenigen Handgriffen umgerüstet, die Karren räuchern dann wie Fabrikschlote. Das lässt auch Platz für sonstige Umbauten, fahren ohne Haube zum Beispiel, ein Paradies für Autbastler.

Generell gibt es in der Stadt 4 Möglichkeiten voranzukommen:

1) Den Bus

Der Bus ist extrem langsam, er hält immer dann wenn jemand an der Strasse den Arm raushält (wie eigentlich alles hier), ist öfters sehr voll und kostet nur einen Boli (= 10 Euro-Cent). Die Busse sind meistens alte Dodge-Schulbusse mit schickem Sound, kann aber auch mal ein umgebauter LKW sein, die Umbauten sind sehr kreativ und teilweise gut gelungen.
Einen Busfahrplan haben wir übrigens noch nie gesehen, es dauert halt so lange wie es dauert. Die Busse haben übrigens eine Höhe im Innenraum von ca. 1 Meter 60, Basti kann breitbeinig gerade aufrecht stehen, Heiko hat abgeloost und muss ohne Sitzplatz den Glöckner von La Paz machen.


2) Das Taxi
Zu Stoßzeiten sind ungefähr 50% der Fahrzeuge Taxis und Trufis (unterscheiden sich eigentlich nur durch das Fahrtstreckenschild in der Scheibe), ein Taxi zu finden ist meistens nicht schwer, eher nervt es, denn Taxis hupen potentielle Kunden am Fahrbahnrand gnadenlos an. Wenn man dann auf ein Trufi wartet kann das nach dem 30ten Mal schon nerven.
In der Regel kostet ein Taxi in LaPaz nie mehr als 15 Bolis, dafür bezahlt man aber manchmal pro Person, also immer erst fragen, dann erst einsteigen. Entgegen der Warnungen versucht uns eigentlich keiner zu verarschen (von dem Penner in Sucre mal abgesehen...). Lustig sind Taxen immer: viele aus Hongkong, also Rechtslenker... auf links umgebaut, und zwar nur das nötigste: Lenksäule und Anzeige für Erdgas.

Das wars, Tacho und Drehzahlmesser (oder sonst irgendwas) funktioniert eigentlich fast nie. In einem Rechts/Linkslenker übrigens sehr lustig, wenn man die Anzeigen vor sich hat, aber kein Lenker. Im Schacht für die Lenksäule steckt dann häufig so ein behämmerter rosa Spielzeug-Troll mit langen neongrünen Haaren.

3) Das Auto-Trufi

In der Regel ein Toyota oder Nissan, normaler PKW, kostet 3 Bolis pro Person und hat ein Schild mit der Fahrstrecke vorne rechts im Fenster. Bis zu 5 Erwachsene plus Fahrer zwängen sich in ein Trufi, hinten meist 3 (geht aber zur Not auch zu viert), vorne ist die Armablage gepolstert und zwischen den Vordersitzen eine kleine Rückenlehe, man sitz vorne also auch zu dritt. Der Schaltknüppel ist zu diesem Zweck nach links zum Fahrer abgewinkelt, damit er nicht im Anus vom "Mittelsitzer" (auch "Arschlochkartenplatz") rumrühren muss. Sitzt man vorne, hat man in der Regel Pech: entweder ein fetter schwitzender Bolivianer neben einem... oder eine fette schwitzende Bolivianerin.

4) Das Japanerbus-Trufi

Im Prinzip wie ein Trufi, man zwängt sich allerdings sehr kuschelig mit bis zu (insgesamt) 16 Leuten in so einen kleinen japanischen Minibuss, 2 sind keine Fahrgäste, einer ist der Fahrer, einer der "Rausschreier": das Schild für die Fahrstrecke hängt zwar auch vorne in der Scheibe, allerdings können ja nicht alle Bolivianer lesen. Also bölkt immer einer fröhlich aus dem Seitenfenster:
"ObrajesCalacotoSanMiguelObrajesCalacotoSanMiguelDosCincuentaDosCincuentaaaaa!!!". Das bitte in ca. 4 Sekunden laut vorbrüllen. Da hier zu den Hauptverkehrszeiten alles voll ist mit diesen Trufis, wird man anfangs von den Ansagen fast in den Wahnsinn getrieben, muss ungefähr so sein wie die erste Woche nachm Umzug... neben `ner Bahnlinie.
Im Gang befinden sich Klappsitze (Typ "Kniescheibenknacker"), wenn man ganz hinten links sitzt und raus will, muss man dann warten bis mindestens 7 Mann aufgestanden sind und sich nach draussen gezwängt haben. Als grosser Deutscher kommt man unter 3 mal irgendwo Gegenstossen eigentlich nicht weg. Wir benutzen daher meistens das Auto-Trufi.
Die meisten Ampeln hier werden übrigens mit der Hand geschaltet, da ist ein Polizist, der knipst den ganzen Tag die Strassenfarbbeleuchtung um, hochinteressanter Job muss das sein (ganz wichtig: Trillerpfeife, muss mindestens einmal alle 10 Sekunden zu hören sein, scheissegal weswegen, hauptsache trillert).

Letztens haben die Taxifahrer gestreikt, neue Kennzeichen sollten eingeführt werden, verbunden mit TÜV. Da aber maximal 2% aller Taxis überhaupt irgendeine Chance auf den (obwohl laxen) bolivianischen TÜV haben, haben ca. 25% der Fahrer gestreikt. Pikantes Detail: der mit Eisenstangen, Steinschleudern und Gummischläuchen bewaffnete Mob schlug auch die Fensterscheiben der Taxis ein die noch fuhren... zum Teil auch wenn noch jemand drin saß!
Die Fahrer wurden rausgezerrt und haben vor laufenden TV-Kameras 3 Schläge mit dem Gummischlauch auf den Hintern bekommen. Nach kurzer Fahrt sind wir also aus dem Taxi ausgestiegen und haben uns zu Fuß auf den Weg ins Büro gemacht.
Leider auch zurück, wir haben zwar ein Taxi gefunden, der Kunde konnte uns aber nur über Schleichwege einen Kilometer weit bringen. Also aussteigen, 1 Stunde strammer Marsch bergauf in bolivianischer Sonne. Scheiss TÜV.
Die spassigste Art allerdings, ist das Quadro-fahren (auch Quads genannt), was man dafür braucht?

20 Bolis für `ne halbe Stunde. Das war`s.
Kein Lappen, Einweisung oder Helm, Hauptsache Geld dabei und gut. Saugaudi, vor allem wenn man soweit wegfährt, daß niemand der Verleiher Einsicht hat. Man kann dann ganz in Ruhe Sprünge trainieren...
PS: Wer ganz sparsam sein will, der setzt sich einfach zu viert auf einen Roller...



Tuesday, September 05, 2006

11) Und nochmal Deathroad... mitm Fahrrad

Als wir relativ am Anfang die Deathroad mit dem Auto gefahren sind, haben wir uns über eine Spezies lustig gemacht: den Fahrrad-fahrenden-Touristen-Deppen.
Schmutzig und erschöpft zogen sie an unseren Autofenstern vorbei und wir dachten uns: "Das` bestimmt kein Spass.". Da wir aber auch nicht zum Spass hier sind hamm` wa uns jedacht: "Das machen wir auch mal!".
Gesagt getan, Student Matthias aus Stuttgart will auch mit, wir haben die Wahl zwischen 2 Fahrrädern, gute für 54$, "Männer-Räder" für 40$, da wir alle echte Kerle sind, nehmen wir die Männer-Räder.
Morgens um 7 geht es los, wir sind überpünktlich um 6 Uhr 38 da, wir warten auf den Rest der irgendwann so um 7 Uhr 15 da ist: Israelis. Hm.
Diese sind, bis auf einen, sehr introvertiert, es stellt sich heraus, daß einer irgendwie Deutscher ist, er will aber kein deutsch reden, lieber englisch. Sehr seltsam, aber muss ja jeder selber wissen...
Wir gurken im Japaner-Mini-Bus 45 Minuten hoch zum Pass auf 4700 Meter, von da an Downhill auf asphaltierter Strecke 26km, Geschwindikeitsspitzen 70km/h, das fetzt!
Unser Guide Victor ist ein kleiner Wicht von 1 Meter 60, wiegt entsprechend wenig und Downhill ist er den massigen Deutschen unterlegen (man darf nicht überholen, wir lassen uns rollen, er muss strampeln). Heikos Helm will nicht so richtig passen, er muss den Boonie-Hat unterziehen ("Lass so Heiko, sieht schneidig aus, MUAHA!")

Die letzten 6km geht es mehr oder weniger bergauf, daß fetzt auch, vor allem in den Oberschenkeln. Basti`s persönliche Geschwindigkeitsspitze: zu Fuss, schiebend

("Scheiss Bayern hier!").
Guide Victor hängt hier alle ab, selbst der Berge-mit-Drahtesel erfahrene Matthias loost gegen ihn ab, Respekt!
Bei knappen 3000 Höhenmetern geht dann die Deathroad los, wir kriegen nochmal eine Einweisung, wer mit dem Fahrrad spielt landet im Bus!!!
(Das gilt vor allem für die Samsons, falls ihr das mal machen wollt ;] )
Die Strecke ist nun bessere/schlechtere Buckelpiste, es geht steil runter, man ist nun aber im Gegensatz zum asphaltierten Stück wesentlich konzentrierter, links geht es 1200 Meter relativ ungebremst runter. Zum Teil ist der Hang nur nach starkem rauslehnen über den "Fahrbahn"-rand zu sehen, der Bewuchs an der Seite ist trügerisch, man kann schnell durch eine Pflanze ins Leere treten.
Die Israelis sind zum ersten mal auf der Deathroad, sie spielen, machen Wettrennen und fahren agressiv, wir lassen es daher ruhiger angehen und reihen uns am Ende ein. Nach einer halben Stunde kommen wir an einen kleinen Rastplatz mit einem Gedenkstein.

Die Inschrift ist hebräisch, ein Israeli ist 2001 hier ums Leben gekommen, der Guide sagt uns, daß der Israeli sich selbst überschätzt hat und Kunststückchen machen wollte, daß hat ihn das Leben gekostet. Tut uns leid für ihn, aber er war auch selber schuld, die Strasse heisst ja nicht umsonst "Death"-road. Vor 3 Wochen ist ein Bus abgeschmiert, 26 Tote, 40 Schwerverletzte, eigentlich noch glimpflich abgelaufen (Leicht- oder Unverletzte gibt es eigentlich nie).
Weiter geht es runter, immer wenn ein Laster oder Bus entgegenkommt stoppt der Guide, auch mit Fahrrad ist die Strasse dann zu eng, der Verkehr ist aber zum Glück nicht so stark wie am Feiertag bei unserem ersten mal. Zwischendurch klonkt der Vorderreifen von Basti --> Platten.

Der hinterherfahrende Bus hat aber alles dabei, da das Vorderrad komplett hin ist gibt es ein neues (insgesamt 3 Platten bei 10 Leuten), später springt auch noch die Kette runter.
Wir sehen mittlerweile ziemlich Scheisse aus, daß Matschige weicht mit jedem Meter den wir tiefer kommen dem Staubigen, in einigen roten Sandflecken kann man keine 10 Meter weit sehen, man ist aber relativ fix unterwegs und die Strasse ist schmal.

Uns wird daher etwas mulmig und wir vergrössern die Abstände, zusätzlich kriegen wir Staubmasken ("Doktor Vogt bitte zum OP 3, Doktor Vogt bitte!").
So langsam tut der Arsch auch ziemlich weh und die Hände fangen an zu schmerzen, erste Zweifel über die 14$ Ersparnis spuken in unseren Köpfen.
Gegen Ende geht es nochmal steil bergab, die Strecke ist vollgepackt mit spitzen Steinen, jetzt bloss nicht aufs Fressbrett legen! Ärsche und Hände kriegen nochmal das ganze Schmerzpaket ab, ein Israeli labert mit seinem Kumpel, auf einmal "WHOA!", er ist ganze 10 cm an der Kante gefahren.
Basti: " Hey, don`t make me nervous!"
Israeli: "Fuck shit, yeah you`re right!" (das war der umgängliche Israeli)
Ein anderer Israeli kommt mit Vorderrad links in die Spurrille, mit dem Hinterrad rechts, macht eine ungewollte 90° Drehung Richtung Abgrund und muss erstmal absteigen um keinen zweiten Gedenkstein zu erzeugen.
Der Chef hatte schon recht, je öfter man die Deathroad fährt, umso mehr Respekt hat man. Ganz zum Schluss geht es dann noch durch ein paar Pfützen, wenn schon dreckig dann wenigstens richtig Scheisse, wir sind ja nicht... (usw)!
Als wir unten im Tal nach 24km und insgesamt 4 Stunden auf 1170 Höhenmetern ankommen, denken wir uns dann auch: "Joa, war geil, is` aber auch gut jetzt..."
Der nette Israeli: "I`m sure the Germans want Beer too!"
Wir bemühen uns, seine Vorurteile zu bestätigen und genehmigen uns 3 kühle Blonde.

Victor geben wir einen aus. Wir müssen zwar mit dem Bus nochmal die Deathroad hoch um nach La Paz zu kommen, aber den Teil den wir selber versauen können haben wir zumindest geschafft. Auch wenn wir ziemlich scheisse aussehen...

Erstmal geht es aber ins Hotel nach Coroico, duschen, in Pool springen, Arsch reiben und Buffet-essen. Und wirklich, der erste Billardtisch mit genormten normalgrossen Löchern! (sonst sind die Taschen in Bolivien furchtbar klein und im spitzen (!) Winkel, wir haben kaum eine Kugel bisher reinbekommen, das Hotel ist aber "german-owned")
2 Israelis wollen auch, wir bauen auf, wollen ihnen den Anstoss lassen, aber ne, sie wollen nur zu zweit spielen, nach uns... . Hm². Muss ja jeder selber wissen...
Matthias bleibt im Hotel, er fährt am nächsten Tag weiter in den Dschungel nach Rurrenabaque (schreib doch mal in den Kommentar wie es da war Matze!)
Auf dem Rückweg sehen wir nochmal einen alten Kumpel: den vermutlich Fahnenflüchtigen Deutschen von der Backstube! Matthias will trotz Angebot von 10$ nicht "Fahnenflucht" rufen, schade schade...
Der Rückweg bergauf ist an der Bergseite, der Fahrer ist sehr erfahren, merkt man immer dann, wenn man rechts keinen Boden sieht und trotzdem nicht abstürzt ("Hui, der kennt seine Karre!").
Endlich in La Paz angekommen, steigen die Israelis ohne weiteren Kommentar aus und hauen ab. Hm³.
Wir verabschieden und bedanken uns nochmal bei unseren Guides und holen am nächsten Tag die Foto-CD ab (an Bastis Dad: daher die etwas schlechtere Qualität, es war nicht meine Schuld!)
Insgesamt ein riesen Spass, wir empfehlen aber dann doch die Weicheier-Räder zu nehmen, der Arsch tut 3 Tage (!!!) später immer noch weh, wir gehen von der Firma erstmal ein Stück zu Fuss um das Gesäß zu entspannen. Wer seinen Spielkalb-Trieb im Griff hat sollte die Tour aber unbedingt mal machen! (Wie in Potosi im Bergwerk, man kann halt nicht immer nur Kirchen anschauen...)
Schlussendlich beschliessen wir den Tag mit einem Dienstabschluss-Bock im Mongos.

Sunday, September 03, 2006

10) Salzsee, Silbermine und ein Arschloch-Taxifahrer

(diese Tour hat Basti allein unternommen, daher die Ich-Form)
Los gehts am Mittwoch Abend mit dem Bus, mit dabei ist Dagmar, eine zivile Praktikantin aus Deutschland (zufällig arbeitet sie im Krankenhaus vom Chef).
Die Busfahrt nach Uyuni dauert ca. 12 Stunden, eingepfercht mit einer Herde stinkender Indianer (Bolivianer) und ein paar Schweizern. Völlig sinnlose Fussbretter wissen ein Ausstrecken der Beine völlig zu verhindern. Der Fahrer legt aber noch einen drauf und spielt die ganze Zeit einheimische Tüddelüü-Musik, bis ihn völlig der Wahnsinn packt: Cherie cherie Lady, Geronimos Cadillac, You`re my heart, you`re my soul entflutet den Lautsprechern!
Ja liebe Freunde der stilvollen musikalischen Unterhaltung, Modern Talking ist in Bolivien der Dauerbrenner. Die Schweizer beschweren sich und meinen mit dem Verweis, so ein Bus sei schliesslich keine Discotheka, Schlaf finden zu können. Eigentlich eine berechtigte Forderung bei einem NACHT-Bus, sogar Einheimische schliessen sich dem Protest an. Dem Fahrer ist das allerdings scheissegal, die Mucke dudelt die ganze Nacht, mal der Dieter, mal die Panflöte. Vielleicht hätte ich einfach auf einen Viehtransporter aufspringen sollen...
Völlig gerädert morgens um 7 Ankunft in Uyuni, wir besorgen uns eine Touri-Firma die uns die nächsten 3 Tage im Gebiet (so gross wie Nordrhein-Westfalen) rumgurken soll. Diese Touren sind gang und gebe, nahezu der ganze Ort lebt davon und es gibt bestimmt so 30 Firmen.
Mittags geht es los, zusammen mit 2 Koreanern (Yon-Gun und Soong-Hi, auf die Schreibweise kein Gewähr, könnt ja mal raten was für`n Geschlecht die 2 haben) und einem argentinischen Ehepaar. Voller Stolz wird uns dasVehikel vorgestellt: ein Toyota-Landcruiser, elektrische Fensterheber durch Kurbel ersetzt (was ich Depp erst am 2ten Tag sehe das da auch ne Kurbel neben dem schrotten Schalter ist *patsch*), Seilwinde brüchig und Drahtseil gesplissen, Heizung im Jordan, bei Dagmar zieht es durch die Tür, die andere kann man dafür nur von aussen zumachen.

Tatsächlich fahren aber nahezu alle Companys Toyota-Landcruiser, wohl auch schon dieselben seit den 80er Jahren, 1980 ist nämlich auch das Baujahr. Da man beim Formular seinen Beruf eintragen soll (ein Australier hat "porn star" eingetragen) haben die schnell raus das ich Offizier bin
--> Schwein gehabt, mein Fahrer Yuan liebt mich ab jetzt ("Mi Teniente!") und ich kriege den Beifahrerplatz, irgendwie ganz anders als Dschungel. Die Fahrt führt über Huckelpiste zum Salzsee, hier ist wirklich nur Salz soweit das Auge blickt (und optimales Panzergelände, fällt mir so auf...), wir halten an einem kleinen Ort mit Salzmuseum und Touristen-Schnick-Schnack.
Im Moment ist es durch die gnadenlose Sonne furchtbar warm, Stärke 14 (europäische Innenstädte werden bei 7 geschlossen). Ich habe Sunblocker mit Stärke 50 (!) im Einsatz. Von der berüchtigten Kälte hier merke ich eigentlich bisher nichts, eher das Gegenteil, ich laufe zur Verwunderung der Einheimischen im T-Shirt rum.


Dann geht es weiter zum Kaktusfelsen, mitten im Salzsee nach langer Fahrt *plopp* ein grosser Fels mit Kaktussen (jaja Kakteen...) drauf, von oben hat man eine fantastische Sicht auf die Salzebene. Hier gibt es auch eine "Mongos"-Kneipe wie in La Paz und eine regelrechte Touristeninvasion.

Nach dem Mittagessen (extra für die Kochgeschichte kommt eine Mitarbeiterin der Firma im Landrover mit) geht es weiter zu unserem Schlafplatz, ein kleines Nest brackiger Häuser und verwahrloster Hunde mitten im Nirgendwo.
Ein anderer Landrover ist auch hier, bis oben voll mit Israelis der Marke "Alternativ" (wie übrigens auch die meisten Deutschen in Bolivien) mit vollem Equipment: Strickmütze Typ Zottel-doof, Bongo-Trommeln mit "Knockin` on heavens door" auf den Lippen und einer leicht introvertierten Einstellung (um das Wort arrogant zu vermeiden). Die Koreaner mögen die Israelis nicht, die Argentinier schnell auch nicht, da man als Deutscher bei sowas besser nix sagt halte ich mich zurück. Am Abend wollen die Israelis doch Kontakt:
"You got something to smoke?"
...und die meinen damit keine normalen Kippen. Der Fahrer will mit mir dann noch in die Disco des Ortes (Raum mit Discokugel), dummerweise hat die Lieferung des Bieres nicht bis in diese Höhe geklappt, die Dizze ist dicht. Schade, aber da wir eh morgens um 8 weiterfahren ist das auch nicht soo wild. Mit meinen Vorurteilen über Alternativ-Touristen (egal welchen Landes) bestätigt schlafe ich selbstgerecht ein... nur gestört von der unteren Bettkante, das Bett ist für mich (mit 1,76m!) etwas zu kurz.
Morgens geht es dann mit Sack, Pack, Koreanern und Argentiniern weiter. Es herrscht heute ein unüblicher Wind, ca. Stärke 7, die Koreaner sind mangelhaft ausgerüstet, ich gebe ihnen Jacken aus meinem Rucksack, die Panikmache vom Chef ("Das ist da saukalt!") war nicht umsonst.
Wir besuchen im Laufe des Tages mehrere Lagunen, im Prinzip grosse Seen mit Flamingos drin. Was die auf 4800 Meter Höhe wollen ist mir nicht ganz klar, aber ein schöner Anblick. Es gibt hier auch ein Hotel, komplett aus Salz, selbst díe Möbel. Man hat bloss irgendwann festgestellt das das giftig ist, Übernachten kann man nicht mehr.

Abends kommen wir dann ins nächste Nest zum Schlafen, wenn im Ort vorher schon nichts herrscht hier Anti-Materie. Ich belustige mich mit den Koreanern (DIE haben mal dusselige Partyspiele, so dusselig das es schon wieder lustig ist), Fäuste-Klopfen und Hände-Watschen halten sie aber nicht lange durch. Die ganze Rumfahrerei und der kräftige kalte Wind haben alle müde gemacht und alle sind so um 21 Uhr im Schlafsack... am nächsten morgen soll es eh um 5 Uhr 30 weitergehen.
Die Nacht ist kalt und beschissen, das Lattenrost hat nämlich breite Abstände und man kann genau fühlen welche Rippe gerade aufliegt und welche frei zwischen den Brettern hängt. Das Aufstehen um 4 Uhr 45 ist auch nicht gerade leicht, Strom gibt es nämlich erst ab 7 Uhr morgens und ausserdem bin ich out of order, entweder Höhenkrankheit oder der 3 Tage ungekühlte Käse auf den Nudeln vom Abendessen davor (schonmal nur mit Handylicht morgens im unbeheizten Klo bei Schweinekälte sein darmgeplagtes Geschäft verrichtet? Da scheint einem glatt die Sonne aus dem Arsch!). Mir ist übel und ich kriege schlecht Luft, Fahrer Yuan geht es ähnlich, ich gebe ihm Magentropfen ab und helfe die Koffer auf dem Landcruiser-Dach zu verbändern.
Das die Heizung schrott ist rächt sich jetzt, es ist (und bleibt) saukalt im Auto, dafür gibt es nur morgens natürliche Gasquellen zu sehen. Mir frieren die Füsse ab, aber gottseidank kommen wir dann zu einer Thermalquelle.
Das Wasser hier ist 35° heiss, eine menge Touris von anderen Companys sind schon im Wasser. Eigentlich wollte ich auch rein aber das Umziehen erscheint mir nicht so verlockend, ich gehe aber mit den Füssen rein

--> beste Idee des Tages. Füsse warm - Rest warm, die Sonne scheint und die Stimmung bessert sich bei allen... nur die Koreaner frieren weiter, aber an den Asiaten is` ja auch nix dran. Später besuchen wir noch eine Lagune in der Nähe zu Chile, dann wechseln Dagmar und ich das Auto, verabschieden uns von den anderen und werden6 Stunden über Huckelpiste nach Uyuni gebracht. Als wir ankommen geht es dann auch langsam wieder mit dem Kreislauf, am Nachmittag buchen wir den nächsten Nacht-Bus nach Sucre, nach einem halben Tag dort wollen wir weiter nach Potosi zu den Gold- und Silberminen.
Der Bus ist diesmal kleiner, dafür wechseln wir mitten in der Nacht den Bus, ein Taxifahrer schiesst sich auf mich ein und sagt, er weiss wo der nächste Bus steht, ich waret erstmal und tatsächlich, der nächste Bus steht 50 Meter entfernt (das war aber noch nicht der Arschloch-Taxifahrer)! Danke du Penner! Der Busfahrer versucht derweil bei Dagmar zu landen ("Mi amore de ma viva!" - Liebe meines Lebens), sie hat aber für ihn soviel Sympathie übrig, wie ich für den Taxifahrer.
Morgens kurz vor Sucre quatscht dann irgendein Trottel den kompletten Bus voll über ein Anti-Atrithis-Mittel (soll auch bei bettnässenden Kindern helfen, naja zumindest ist ja `ne Tüte dabei...), vorher gabs wieder Panflöten-Dudel-Folter und dann in Sucre nerven penetrant bettelnde alte Weiber (aber auf die harte "gib-mir-was-du-reiches-Arschloch-du-bist-sowieso-an-allem-schuld!"-Tour). Zu allem Überfluss kommen dann auch noch Schuhputz-Kinder, normalerweise in La Paz höflich, hier fangen die einfach an den Schuh zu putzen und hören auch nach 3maligem "NO!" nicht auf, sie verfolgen uns über den ganzen Stadtplatz. Mittlerweise kann ich fliessend: "Que parte de no tu no entendiste?" (Welchen Teil von Nein hast du nicht gerafft?).
Langsam gehen mir die ganzen nervenden Typen auf den Zeiger, da finden wir einen netten Taxifahrer der uns zum Dinopark in Sucre fahren will. Ca. 3,5km, hin und zurück für 25 Boli`s, kein super Preis aber was solls, 2 Euro fuffich, was kost` die Welt denk ich mir?
Der Dinopark ist klein aber schön gemacht, eine Betonfirma hat Dinosaurierfussspuren entdeckt, irgendwer hat dann `nen Park mit Dinomodellen hingebaut. Noch jung das ganze, Restaurant und Touri-Schnick-Schnack-Shop nicht fertig, aber die Liebe zum Detail lässt darauf schliessen das es NICHT die Bolivianer gebaut haben.
Der Taxifahrer holt uns pünktlich ab, in Sucre gebe ich ihm 30 Boli`s und warte auf das Rückgeld, trotz des hohen Preises denke ich sogar über Trinkgeld nach, der war so nett. Auf einmal meint er 25 PRO STRECKE und fängt dämlich an zu grinsen! In meinem Kopf macht er alle schmerzhaften Tode durch, die ich bisher in jedem schlechten Michael-Dudikoff-b-movie gesehen habe und mein Hals schwillt zu einer Keksdose an. Mein "Offizier-im-Ausland"-Notfallprogramm lässt mich kommentarlos aussteigen ohne ihm was anzutun, die 20 Boli`s kann er sich DAHIN stecken, ich packe meinen und Dagmars Rucksack aus dem Kofferraum und würdige ihn keines Blickes mehr.
WAS EIN ARSCHLOCH!
Er weiss wohl das nichts mehr zu holen ist, protestieren tut er zumindest nicht, ist auch besser für ihn, nach den ganzen verrückten Busfahrern, Bettlern, Strassenkindern und anderen Idioten schafft der es fast mir den Rest zu geben. ich beschliesse für mich, daß Sucre ein Assi-Kaff ist, gottseidank steigen wir dann in den nächsten Bus nach Potosi. Abends in Potosi checken wir im Touristenhotel Koala ein, hier gibt es Betten für grosse Menschen, eine Dusche und vernünftiges Essen, eine echte Wohltat.
Morgens geht es zur Silbermine mit ein paar Deutschen und Israelis, die deutschen sind Studenten, haben aber zumindest kurze Haare und wir kommen schnell gut zurecht. Die Israelis sind etwas zurückhaltender, aber dafür mal nette wenig-alternative.
Der Ingenieur draussen, der die Maschinen von 1930 erklärt hat war zwar total strunz, dafür ist unser Guide in der Mine leicht verrückt (oder komplett), er erzählt wie er seinen Sergeant beim Militär in die Luft gesprengt hat weil der auf seine Freundin drauf wollte. Dynamit kann nämlich jeder kaufen in Potosi, JEDER, auch Touris und 10-Jährige.
Wir trinken noch ein Schlückchen 96%tigen Alkohol (machen hier alle Bergmänner, hält die Kehle auch 5 Minuten danach noch warm) und begeben uns zum Bergwerk. Unser Guide Pedro tauft uns die "Pigheads", schwenkt später in der Mine aber auf "Pigfuckers" um.
Den Besuch der Mine darf man sich nicht wie in einem deutschen Bergwerk vorstellen, so mit Grubenbahn, befestigten Wegen und einem Helm nur für die Versicherung. Hier kriegt man einen Ganzkörperanzug und einen Helm mit Lampe und Batterie auf dem Rücken, der Helm ist auch bitter nötig: oft geht es nur auf allen Vieren vorwärts, erst ist es kalt, weiter unten dagegen aber heiss (kann bis 45 Grad werden), wie oft ich mit dem Kopf irgendwo gegenknalle weiss ich nicht, dürfte aber so um die 3000mal gewesen sein. Beleuchtung gibt es nur durch die Kopflampen der Touris oder der Bergleute, wir verteilen Kippen, Trinken und Coca-Blätter damit die Bergleute nicht sauer auf die nervenden Touris werden. Arbeitswerkzeug der Bergleute: eine Lore auf schlechten Schienen, 4 Mann die die volle Lore ziehen/drücken, einer der wichtig rumschreit und einer der nur mit Eisenstange und Hammer ein Bohrloch haut... einsam in der Dunkelheit, ein Loch am Tag, und ob er dann was findet kann er nur vermuten. Knochenjob hier!
Auf dem Rückweg gehen wir noch eine hölzerne Gesteinsrutsche hoch, 30 Meter, ganz schön schlauchig da mann sich nur mit Seitendruck festhalten kann, danach ein enger Durchgang. Ein Israeli meint, daß wär zu eng, das könne er nicht. Aber die ganze Rutsche nochmal runter?!? Ein aufmunterndes:
"COME ON PIGFUCKER! YOU CAN DO IT!"
von mir und dem anderen Deutschen in der Gruppe lässt ihn weiterkriechen.

Draussen am Tageslicht sind alle froh wieder draussen zu sein, aber alle sind sich einig, man kann sich halt nicht immer nur Kirchen ansehen. Dann wird noch eine Runde gesprengt, mit Kippe die Lunte anzünden und losrennen, das Teil irgendwo in der Botanik abstellen und zurück. Einige Touris dürfen auch, sie denken das die Lunte 6 Minuten zündelt, es sind aber nur 2 Minuten. So `ne richtige Einweisung gab es halt nicht, Sicherheitsbetimmungen hat hier auch noch keiner importiert.
Am Abend verabschieden wir uns, der Deutsche aus meiner Gruppe, Matthias, kommt mit uns nach La Paz.
Am Busbahnhof fragen wir nach dem Bus, Dagmar und Matthias lassen ihr Gepäck verladen, ich traue der Sache nicht und behalte lieber meinen Rucksack. Als der bus dann endlich losfährt merken wir nach 30 Meter, daß andere unsere Plätze wollen. Hä? Es stellt sich heraus: Dagmar hat jemandem am Bus ihr Ticket gezeigt, der meinte nur "Si! Si!" und hat uns einfach mal in den falschen Bus gewunken!
Wir müssen raus und uns einen anderen Bus suchen, die Gepäcke sind derweil im anderen Bus weg. Wir schaffen es noch einen Platz in einem Schlafbus (2 Liegen, einer im Gang) zu ergattern. Ein kleiner Bengel fängt auf einmal furchtbar im Bus an zu Plärren, es stellt sich heraus das er das "Singen" nennt und auch noch Geld von meiner gequälten Seele möchte! Ich sehe ihn finster an, Dagmar fängt schon an zu lachen, und ich sage ihm ruhig und beherrscht auf deutsch, daß es schon ein Geschenk von mir ist das ich ihm nicht Augenblicklich den Hals umdrehe. Dagmar und ich können nicht in einer Reihe sitzen wir Fragen beide unsere Sitznachbarn ob wir tauschen können: nein, die Herren brauchen das Fenster. Nicht aufmachbar. In stockfinsterer Nacht. Beim Schlafen. Nachdem ich mich beruhigt habe, habe ich trotzdem eine angenehme und erholsame Fahrt.
"Dagmar warum haben wir nicht gleich einen Schlafbus genommen für den ganzen Mist davor?!?"
"Der kostet statt 40 Boli`s 60!"
"Also habe ich mir Modern Talking, verkrampfte Beine, kaum Schlaf und eine Belehrung über Atrithis angetan für ZWEI Euro Ersparnis???!?!?!?!!?"
"..."
Weiber.
Zu unserem Glück ist der Bus schnell unterwegs, wir kommen sogar vor unserem ursprünglichem Bus an und das Gepäck ist sogar noch da! Wir nehmen ein Taxi (diesmal Tarif), quartieren Matthias bei uns ein und so endet der Ausflug nach 6 anstrengenden, aber erfahrungsreichen Tagen.
Ich bin froh wieder in "meinem" La Paz zu sein.



Saturday, September 02, 2006

9) Papierkrieg

Wir befinden uns auf dem Weg zurück nach Villa Tunari in der Hoffnung, am Freitag vor Dienstschluss der Polizei den Wagen wiederzukriegen.
Ich-bin-2-Öltanks entpuppt sich allerdings als reine Stadt-Schranze, wir haben das Gefühl, daß er nie ausserhalb von Santa Cruz gefahren ist. Noch langsamer und er muss den Rückwärtsgang einwerfen, dauernd überholen uns nachts Laster (wohl gemerkt, bolivianische, bis zu 1000 Jahre alte Volvos und dergleichen).
Wir schaffen es so natürlich nicht, die Polizei hat schon dicht. Vielleicht können wir ja morgen wen auftreiben, wir suchen uns also ein Hotel (wir präparieren die Schränke mit Klopapiermarkierungen und fotografieren unsere Sachen, wenn einer einem hier Drogen reinschmuggelt kann man das dann besser beweisen) und stürzen uns ins dörfliche "Nachtleben", eine Disco mit 6 Leuten drin (ok mit Bedienung 7). Nach 2 Bier lassen wir es dann mit "feiern" gut sein und gehen zurück zum Hotel, Chef ist vorher schon ins Bett und hat gesagt, daß wir beim Pförtner klingeln sollen. Tun wir auch, 3 mal, dann ist es uns zu blöd. Kein Schwein lässt sich blicken, also über die Mauer gehüpft und ab ins Bett.
Am nächsten Tag ist der Hotelbesitzer sauer, wär doch keine Art über die Mauer zu klettern! Ist aber auch keine Art die Klingel zu überhören, also muss er da wohl jetzt durch.
Wir checken aus und begeben uns zur Polizeiwache, dummerweise haben die dicht bis Montag, dann ist auch erst der Richter da. Der Richter muss nach Einwilligung der Familie des alten Trottels erstmal ein Schriftstück aufsetzen, dann muss man wieder zurück zur Polizei und dann kann man mal schauen ob vom Auto noch was da ist. Da wir hier also nun bis Montag festsitzen und hier auch absolut mal GAR NICHTS ist ausser Coca-Plantagen und Dschungel, steigen wir in den Bus zurück nach Santa Cruz. Der Chef bleibt vor Ort in Villa Tunari.

Die Busse fahren von Cochabamba aus, wir steigen also nach gut ein Drittel der Strecke Cochabamba-Santa Cruz dazu, zahlen 3 Euro für die restlichen 300km...und merken, daß der Bus voll ist. Wir packen uns also in den Gang, 6 Stunden stehen ist nicht so verlockend, und ruhen erstmal. Am Drogen-Checkpoint wieder das Mädel vom letztenmal, sie erkennt uns sogar und wir brauchen keine Ausweise vorzeigen. Während der Bus mit deustchen Schäferwuffis durchsucht wird, fragt Basti ob er ein Foto machen darf, das Mädel quiekt entzückt (übersetzt): "Waas? Von mmmiiiiiiiiiieeeeeerr?!?!?!" Sie hopst zu ihrem Boss, schmeisst ihm die Kampfmittelweste in die Hand und schmeisst sich in Pose. Frau bleibt eben Frau hrhr.


In Santa Cruz checken wir beim selben Hotel wie vorher ein (pro Nacht 10$) und erkunden noch einmal die Stadt. Nach einer lustigen Nacht fahren wir Sonntag abend zurück, der Bus müsste mitten in der Nacht um ca. 1 Uhr ankommen. Wir rufen den Chef an, der sagt auch wenn man nur 4 Stunden in einem Hotel übernachten will, wollen die die vollen 15$ haben. Das ist uns vom Prinzip her zu teuer, in der Stadt 10$ und irgendwo in der Butnik in einer Kaschemme 15$? Da wir in Villa Tunari schon Stunden auf den Bänken vor der Notaufnahme verbracht haben sind diese uns irgendwie vertraut. Da es nachts im Dschungel eh schweinewarm ist können wir uns genausogut dahin packen, der Chef warnt das Krankenhaus vor, wir sollen nachts den Pförtner rausklingeln.
Basti: "Wo is`n da die Klingel?"
Chef: "Keine Ahnung, aber das dürfte ja nicht so schwer sein die zu finden."
Basti: "Naja sehen wir denn..."
Chef: "Aber nicht wieder übern Zaun springen!"
Also wieder in den Bus (diesmal mit Sitzplatz), Nachts um 2 Uhr angekommen, gehen wir zum Krankenhaus, vor den verschlossenen Toren warten am Montag morgen schon ca. 30 Einheimische um morgen eine OP zu ergattern. Wir suchen die Klingel... und suchen... und suchen... und suchen... und geben auf. Die haben nämlich draussen keine Klingel, dolle Wurst. Wir sehen die ganzen Einheimischen und schmieden Plan B: "Was die können, können wir auch.", wir nächtigen also auf dem Beton neben dem Zaun, etwas abseits vom Pulk. Und was passiert nachts um halb 4? Drei lustige Arschlöcher setzen sich am ganzen langen Zaun GENAU neben Basti und fangen lautstark an zu labern. Ein "silencioso porfavore" hält genau 30 Sekunden, dann labern die Typen weiter. "Jetzt habt ihr`s geschafft ihr beschissenen Arschlöcher!" lässt Basti verlauten (auf deutsch) und trollt sich leicht angefressen mit Rucksack Klamotten und Machete 30 Meter weiter. Immerhin hat er dann Ruhe.

Morgens um 7 Uhr stehen wir auf und waschen uns in bester Feldmanier, wir sind allerdings die einzigen die Morgenhygiene durchführen und werden erstaunt angesehen (So ein Elektrorasier schindet unheimlichen Eindruck). Dann zum Chef, mit ihm ab zum Richter, Karre holen und weg!
Doch beim Gericht im nächsten Ort stellt sich heraus: der Richter ist irgendwo im Dschungel bei Cochabamba und kommt erst morgen wieder, einen Stellvertreter im Amt gibt es nicht...
Na Klasse, lohnt hier bald ein Haus zu kaufen.
Diesmal will der Chef nicht wieder nach Villa Tunari ("Nein von dem Ort habe ich die Schnauze voll, wir erregen da zuviel aufsehen."), wir bleiben also im Ort des Gerichts und checken in einem anderen "Hotel" ein. 1$85 pro Person, mit wilder Eidechse im Zimmer und Dauer-Fußbad in der Dusche. Wir nutzen die Zeit bis zum nächsten Morgen um unseren Macheten den endgültigen Schliff geben zu lassen (bei `nem Fahrradmechaniker) und gehen in den Dschungel. Der Chef zeigt uns wie man sich mit Machete durch den Dschungel kämpft, somit wieder was gelernt und der Tag war zumindest nicht völlig sinnlos. Hierbei entsteht auch das Franky versprochene Dschungel-Fieldspook-Foto. Bitte Franky extra für dich! *Taataaaa!*

Im Hotel wurden wir erst für Amerikaner gehalten, bei der Angabe unseres Heimatlandes hellt sich die Miene des Hotelbesitzers aber merklich auf: "Oh Alemania!". Die Ankunft der Deutschen spricht sich anscheinend schnell im Örtchen rum, dem Chef wird gesagt er solle uns hier mal alles zeigen, und toll das mal Deutsche da seien usw., wären wir US-Amerikaner sähe das allerdings ganz anders aus, dann hätte man uns eventuell sogar verprügelt. Also gut, daß auch wir Deustchland sind.
Die Familie des Alten hat übrigens eine Ahnung und meint zum Chef, daß wir ja Militärs seien, der lässt das ganze relativ unbestätigt ohne komplett zu verneinen. Man ist hier der Meinung, daß Deutschland Kuba hilft wenn Kuba die USA angreift (!), daher hält man uns wohl nicht mehr für potentielle getarnte Anti-Drogen-Soldaten (selbst in der Flugschule in Santa Cruz hat unser Capitan von der NATO noch nie was gehört). Ist aber auch wurscht die Familie hat endlich unterschrieben!
Am nächsten Tag (mittlerweile Dienstag) gehen wir morgens zum Richter, der hat allerdings nach eigener Aussage keine Zeit und sagt, daß er das Schriftstück noch fertig macht, wir sollen am Nachmittag wiederkommen.
Also bisschen Zeit vertrödelt, im Krankenhaus in Villa Tunari werden zwischenzeitlich 5 Verletzte eingeliefert (hat einer angefahren, der weiss noch gar nicht was auf ihn zukommt hrhr), ausserdem müssen wir Fotos mit den Schwestern machen (mittlerweile kennt man uns ja). Und dann am Nachmittag haben wir endlich das Schriftstück vom Richter in den Händen ("Ich brauchte ihn gar nicht bestechen!")
und ab geht`s zur Polizeistation. Dort wird nochmal mit einer Schreibmaschine aus dem 12. Jahrhundert vom Polizeiseargent alles abgetippt, der bringt das Ganze dann zum Polizeimajor. Dieser ist neu, somit unsicher und das Ganze dauert verdächtigt lange. Banges warten.

Frage an den Chef: " Wieso gibt es hier so einen Papierkrieg, obwohl der Fahrer sowieso immer schuld ist?"
--> "Nicht vergessen, wir sind in Bolivien..."
Dann unterschreibt der Major doch noch, wir schleppen unseren Krempel zur Strasse und warten, daß der Chef mit dem Auto kommt. Und Tatsächlich, ENDLICH rollt das Auto auf eigener Achse zu uns zurück, anscheinend unversehrt, wir kriegen das Grinsen nicht aus der Fresse, nun wird doch noch alles gut!
Auf der Fahrt nach Cochabamba gibt es eine Baustelle, hier muss man in der Rotphase warten bis Baustellenfahrzeuge und Gegenverkehr durch sind. Und zwar so ca. 3 Stunden.
Der Alte war erst stinkig auf den Chef, aber durch die Krankenhausbehandlung seiner Tuberkulose und seiner Lunge lebt er nach dem Unfall wohl jetzt 2 Jahre länger, insofern war es das Beste dem Chef vor den Mitsubishi zu laufen (klingt komisch - is` aber so). Hat er am Ende wohl doch eingesehen und seine Familie beauftragt für uns Orangen und Bananen im Dschungel zu pflücken. Wir nutzen die Wartezeit um die Säcke und die Bananenkiste nach Drogen zu durchsuchen, aber anscheinend war der Alte wirklich nicht mehr sauer, wir finden nichts. Man hält uns dafür nun für venezuelanische Soldaten ("Haben die Menschen in Venezuela denn nicht auch braune Haut? Oder sind die einfach nur blöd?" - fragen wir uns)
Als wir am späten Nachittag an der Baustelle Grün kriegen und los können (ungefähr so wie ein Formel 1 Start) planen wir, im Wechsel nach La Paz zu fahren. Doch zu früh gefreut, man hält uns kurze Zeit später wieder an, der Gegenverkehr ist noch gar nicht komplett durch. Die nun entgegenkommende Lasterschlange fängt plötzlich an zu stocken: eine offensichtlich verärgerte Menschentraube befindet sich beim Polizeihäuschen bei der Durchlassstelle und versperrt plötzlich den Weg!
Was war passiert? Ein Fahrer war über eine frische Betonplatte auf der Baustelle gefahren, die Platte ist zerstört und wie das in Bolivien so ist: geht was schief, erstmal Auto beschlagnahmen. Pikantes Detail: es handelt sich um einen Bus, randvoll mit Fahrgästen die nun nicht weiterkommen! Also steigen alle getreu der Manier "Wenn wir nicht weiterkommen, kommt hier niemand weiter!" aus dem Bus und "besetzen" den Durchlass. Die Stimmung steigt, den 4 Polizisten wird schon Prügel angedroht (nur eine Frage der Zeit bis es dann dazu kommt), da hat unser Chef die rettende Idee und sagt zum Polizisten: "Du hast doch noch den 2ten Busfahrer! Lass den doch hier, der Bus mit den Leuten (und somit alle) können durch und du hast Ruhe!"
Der 2te Busfahrer kriegt Augen wie Untertassen, schaut etwas blöde drein aber sein Protest geht in der jubelnden Menge unter. Chefes "Beratung" wird tatsächlich von den Politisten umgesetzt, der Gegenverkehr kann durch und wir können weiter nach Cochabamba, mit feixenden Bemerkungen vom Chef über die Deppen von der Polizei ("Wenn der nicht blöd wäre, wäre er sowieso nicht an dieser Baustelle harhar!").
Es ist zwar zu spät um direkt nach La Paz zu fahren und wir übernachten in Cochabamba, daß ist aber nach allem Vorherigen nicht mehr so wild.
Nach 4 Krankenhäusern, unzähligen Besuchen der Versicherungen in Santa Cruz, jeder Menge Krankenhaus-Wartestunden, Hotelaufenthalten, Macheteschleifen, erfolglosen Behördengängen, Pennen im Busgang, Pennen vorm Krankenhaus und einer Baustellenrevolution, wurde die auf maximal 5 Tage geplante Arbeitsreise auf 10 Tage ausgedehnt und glücklich am Mittwoch in La Paz beendet. Der Chef bescheinigt uns nun genaue Kenntnis des bolivianischen "Rechtssystems", er hat uns im Vorfeld eine Reise voller Erfahrungen versprochen, nun, er hat Wort gehalten (sogar für sich selbst).
Basti hat seine Wäsche im Hotelwaschbecken in Cochabamba gereinigt, für ihn geht es gleich am Mittwoch Abend (nicht der aktuelle, komme mit dem Schreiben bloss kaum nach) weiter zu den Salzseen in Uyuni und zu den Bergwerken in Potosi. Heiko schaut die nächsten 5 Tage, ob in La Paz noch alles beim Alten ist.