15) Schiessen - Schwitzen - Scheisse schaufeln...
Unsere erste Amtshandlung als Praktikanten bei Improsur Ltda. (eine kleine Firma die medizinisches Geraet importiert) IPSC-Schiesswettkampf mit dem Chef. Obwohl wir sowas vorher fast noch nie gemacht haben, weder Mitlglied in einem Verein sind noch Erfahrung oder Ausruestung haben, hat er uns gleich bei allen vier (!) Wettkaempfen angemeldet... nunja, getreu dem Motto "Hauptsache ballern!" wir uns also diverse Guertel, Magazinhalter und Knarren zusammengeliehen (um das Wort schnorren zu vermeiden) und auf in den Kampf!

Geschossen wurde auf 10 sehr unterschiedlichen Parcours, mal konnte man sofort alle Ziele sehen, mal war das Szenario (A knocking on the door) eine Bar, Pistole liegt vor einem ungeladne auf dem Tisch, auf Signal gehts los. Dabei geht es darum, so schnell wie moeglich, so exakt wie moeglich alle Ziele zu treffen und die Geisel-Scheiben unversehrt zu lassen (was nich immer ganz hingehauen hat HUST). Unnoetig zu erwaehnen das wir gegen die ganzen Pro's des Club Hipicos keine Sonne gesehen haben, aber immerhin hat jeder von uns 300 Schuss 9mm an den Mann (oder Hostage ) gebracht.
Unser chef wurde dafuer Champion in der "Categoria B" samt Medaille... und das naechstemal darf er in der Kategorie A bei den Grossen mitschiessen, na dann viel Erfolg Chefe! Zum Abschluss gabs dann noch gemeinsames Essen (Ziegen... oder Schaaf?... Lamafoeten???... egal hat geschmeckt...)
Am naechsten Tag ging es etwas feinfuehliger Weiter Jungz, heute schiessen wir auf bewegliche Scheiben mit Zielfernrohrgewehr!... wieder im Wettkampfrahmen. Das Schiessen auf eine recht fixe Scheibe, die 5 Sekunden von links nach rechts fliegt (in der Zeit muss man anlegen, zielen und konzentriert abkruemmen!) gestaltet sich dabei als gaaar nich mal so einfach... also wieder nur hintere Platzierungen gegen die Pro's dieses zweiten Schiessclubs (Olympia-Bahn in La Paz). Chefe war heiss auf den Titel!... bis der Meister aus Santa Cruz auftauchte (Chef: "Mist der Fritze da... was sollen wir jetzt noch hier? Der macht alle nass!") und somit der Gewinner quasi fest stand.
Unsere dritte Prakitkantenaufgabe: 22er Munition abwiegen fuer den naechsten Wettkampf vom Chef (alle 900 Schuss, schoen einzeln mit der OP-Pinzette fuer 42 US-Dollar -.-). Haken an der Sache: die spezielle Feinwaage (auf 0,05 Grain genau) haben wir ihm aus Deutschland mitgebracht in unseren Kisten... dummerweise dachte die Logistikfirma aus Deutschland, das es in Bolivien keinen Zoll gibt... JA HALLO WIESO DAS DENN!?! EINMAL MIT PROFIS ARBEITEN, NUR EINMAL!!!
Unsere Kisten, vollgepropft mit unserer militaerischen Ausruestung, hat nach unserer Aufstellung einen Wert von insgesamt 4000 Euro, und die haengen im Zoll fest solange auf den Wert keine Steuer bezahlt wird (satte 20%). O-Ton von unserem Agenten Ricardo vor Ort (der zufaelligerweise mit uns beim IPSC die Parcours gemacht hat): "Also die deutsche Firma hat nicht verstanden, das Zettel in Bolivien auch mal abgehen koennen und andere dran gemacht werden koennen, zum Beispiel mit einem Warenwert von 300 US-Dollar... ... so laeuft das hier im Zoll!". Nun nach mehreren Tagen (mittlerweile beschaeftigte sich die deutsche Chefin mit dem Fall) ging es auf einmal doch mit den 300 Dollar Inventarlisten und ENDLICH waren unsere Kisten da! Die Buegel fuer unsere Klamotten sind dabei besonders wertvoll, im Supermarkt gab es nur Maedchenbuegel mit "tollen" (ach was... TOD-SCHICKEN!!) Barbie-Konterfeis (zu einem fuer Bolivien unverschaemt hohen Preis auch noch -.-), nunja, haengt die schneidige goldgelb-ausgeschlagene Panzeraufklaererjacke eben auf nem Barbie-buegel... Adel verpflichtet.

Dann konnten wir auch endlich Geschenke verteilen: deutsches Monopoli, Pingu-Kinderbuecher und Nutella fuer die Kinder vom Chefe, fuer den Chefe selber ein Leberwurstglas.
Das einzige was nun die Stimmung noch truebte: wir fingen uns einen Virus ein, so einen richtig fiesen der uns bis heute ausknockte. Heiko krempelt sich nachts die Lunge um vor Husten, Basti spuckt Schleim den man getrost als Speed-bump nutzen koennte, ausserdem schwitzt man wie ein Eisbaer in der Sahara obwohl es saukalt ist... zu allem Ueberfluss hat es hier doch tatsaechlich 3 Tage geregnet, Wetter wie in Deutschland (letztemal hat es kein einziges mal geregnet!).Zu allem Ueberfluss hat unser Klo dann noch einen Bonus draufgesetzt, es wollte partout nicht abfliessen. Bloed wenn dann einer kommt der NOCHMAL spuelt... es war gar nicht so einfach rauszufinden, wie im Supermarkt "Teppichreiniger" und "Rohr-frei" betitelt ist, aber, den Kampf gegen die Horden der Kanalisation haben wir (auch Dank dieses fiesen aetzenden Zeugs in einem kleinen unscheinbaren schwarzen Flaeschen, vermutlich mit atomarer Kettenreaktion oder so) schlussendlich doch gewonnen.
So langsam ist der Virus nun auf dem Rueckzug, und an alle die meinen wir wuerden hier nie Arbeiten: ganz so isses nicht, wir sind gerade dabei halb La Paz unseren psychologischen Test samt Fragebogen aufzuschwatzen (auch wenn man hier den Leuten DAUERND in den Hintern treten muss).

Basti hatte dabei einen besonders schoenen Arbeitstag am Montag: morgens frueh um 7 raus, kurz mit 15ml Hustensaft und Paracetamol sowie Schleimloeser als Fruehstueck gedopt, zu einem Krankenhaus hin mit einem Fibrolaser der unbedingt um 8 da sein muss, erst hat der Taxifahrer das Gebaeude nicht gefunden, dann war um 7 Uhr 44 eh noch keine Sau da, dann (nach dem wahllosen Beschwatzen irgendwelcher Kitteltraeger) durfte er noch woanders bis 8 uhr 30 warten ("Vorher ist nie einer da...", na danke was soll ich dann hier um 8 !!), denn einen Stock hoch, dort nochmal neben dem Muelleimer bis 8 Uhr 50 gewartet (die Zeitung musste er wieder abgeben, die war fuer die Aerzte... die eh erst in einer Stunde kommen -.-), dann kommt einer, weiss nicht was los ist, aber immerhin den Kram losgeworden.
Der Tag konnt ja nicht bloeder starten, also halb-benebelt wieder ins Taxi und zum Buero... mit dem 2ten Taxi, das erste hat auf halbem Wege den Bremsblock auf dem Asphalt gelassen.
2ten Taxifahrer gefragt ob Burger King schon aufhat (langsam kam der Hunger durch), Antwort "Claro!", also fix vorm Flesichbroetchenkoenig abgesetzt, dieser hat natuerlich zu, also zum Buero gelatscht, auf den nassen Fliesen vorm Gebaude nochmal halb abgepackt, dann ENDLICH im Buero, eben einen schoenen heissen Tee machen... Stromausfall im kompletten Viertel -.- .Naja, mal sehen was noch kommt...
Oh, so langsam kommt die Sonne wieder raus :D

